ARD, 25. und 26. Dezember: „Charles und Diana – Aus dem Alltag der Königskinder“

Auch der Fernsehturm draußen auf dem verschneiten Berg hielt Einkehr. „Pink“, die Sendung, in der Udo Lindenberg das Christkind mit Rumpelstilzchen verglichen hatte, war noch vor der stillen Nacht aus dem Programm gekippt worden. Besenrein waren die Anstalten. Da fiel der große Schnee, und die Fernsehweihnacht ’86 begann: Heltau, Ganghofer, Lady Di. Als sich der Weihnachtsbaum endlich in der Mattscheibe spiegelte, hing das Programm schon wie Lametta von seinen Zweigen.

In dieser stillen Zeit tat uns der NDR die Liebe und kaufte für teures Geld dem englischen Fernsehen einen Zweiteiler über „Charles und Diana“ ab: „Aus dem Alltag der Königskinder.“ Das Geld floß nach dem Willen des Prinzenehepaars in einen Spendentopf für wohltätige Zwecke.

Wir hatten uns noch nicht von „Royality“, einem anderen Werbefilm über das englische Königshaus, erholt, als nun Charles und Diana in der Maske der Privatleute für die Kamera posierten. Dieses sei ein Film, wie man ihn so bald nicht wiedersehen würde, versprach die Ansagerin. Wir werden den NDR beim Wort nehmen.

Während des ganzen Films hat Englands Fair Lady keinen einzigen zitierenswerten Satz zustandegebracht. Umso genauer wurde jedes Wort notiert. Als man der Prinzessin von Wales einen Computer erklärte, soll sie gesagt haben: „It is exhausting.“ Als sie Querschnittgelähmte besuchte, sah man sie schwarz verschleiert. Hin- und hergerissen zwischen Modenschau und Wohltätigkeit, Landsitz und Stadtpalast, Repräsentation und Eheleben, erschien diese Prinzessinnenexistenz als ein einziger Streß.

Nun, der Streß war ganz unsererseits, als man den dankbaren Kommentator erzählen hörte, daß der Prinz sogar den Südosten Londons, „wo es seit Jahren gärt“, nicht meidet. Man sah, wie Charles einem verzweifelten Zecher die Hand reichte. Der Prinz und das aufgebrachte Milieu: soziales Engagement als Teil der Etikette. Gäbe es zur Wohltätigkeit keinen Anlaß mehr, wäre plötzlich Charles arbeitslos. War dieses soziale Risiko des Königshauses die eigentliche Botschaft des Films?

Alistair Burnets Reportage war finsteres Regenbogenfernsehen. In Australien sah man Lady Di mit Hut und Fernglas beim Pferderennen: im Grunde eine Illustration zur steifen Nervosität der Ascot-Gavotte aus „My Fair Lady“. Dem Pop-Musiker Mark Knopfler von den „Dire Straits“ aber war für diesen Film keine ironische, sondern eine romatische Musik eingefallen. Charles und Diana: ein Monarchen-Idyll. Schade, daß wir nach diesem Film auch unsere „Dire Straits“-Platten ein Stück weiter hinten einordnen müssen.