Woche für Woche, jeweils mittwochs und samstags, wenn die Glücksfeen des Hessischen Rundfunks und des ZDF die Lotto-Zahlen ziehen, hoffen Millionen Bundesbürger, aus einer Mark ein Millionenvermögen zu machen.

Ein anderes Spiel mit gleichem Einsatz hat sich 1986 der Berliner Brotfabrikant Horst Schiesser ausgedacht. Für eine Mark nahm er im September den Gewerkschaften die skandalumwitterte Neue Heimat ab und hatte damit 190 000 Wohnungen, aber auch dreizehn Milliarden Mark Schulden am Hals.

Seine von ihm selbst kreierte Gloriole als Retter der Neue-Heimat-Sozialmieter verblaßte jedoch rasch und auch die von ihm wohl gehegte Hoffnung, mit einer gewitzten Sanierung des maroden Wohnungskonzern eine schnelle Mark machen zu können, schwand dahin.

Die Banken machten ihm einen Strich durch die unsichere Rechnung. Nach nur zwei Monaten Besitzerstolz mußte er die Neue Heimat an die Gewerkschaftsholding BGAG zurückgeben und erhielt – im Gegensatz zu den Lottospielern – seinen Einsatz von einer Mark zurück. Seinen Abschied aus der Welt der Großkonzerne versüßte ihm die BGAG allerdings mit einem „Kostenersatz“ von vierzehn Millionen Mark und einer Kreditzusage für 25 Millionen Mark. Lohnte sich der Eine-Mark-Einsatz also doch?

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Den höchsten Einsatz im Milliarden-Spiel mit Übernahmen wagte der Chemiekonzern Hoechst: 5,9 Milliarden Mark. Ob er sich lohnen wird? Branchenbeobachter setzen da mehr als ein Fragezeichen. Für die höchste Summe, die je ein deutscher Aufkäufer für eine amerikanische Gesellschaft bezahlt hat, erwarb Hoechst das Chemieunternehmen Celanese Corporation und kaufte sich damit vor allem in den Chemiefaser-Markt ein, einer höchst konjunkturanfälligen Sparte.