KARL ein KARL: „Gramelot“.

Da keines der erreichbaren Lexika und Wörterbücher das Wort kennt, müssen wir glauben, was von den Musikern zitiert wird: Gramelot nenne man im italienischen Theater das Nachahmen fremder Sprachen mit typisch klingenden, sinnlosen Silben. Welche Sprache nun auf dieser aus der Schweiz kommenden Schallplatte nachgeahmt wird, muß sich ein jeder selber ausdenken. Was immer die Einbildung dabei erfindet, es ist: Musik. Dem „Gramelot“ gehorchend, ist darin auch die menschliche Stimme nichts als ein Instrument, welches plappernde, klagende, lispelnde, rasselnde, haspelnde und hechelnde Töne, Klänge und Geräusche hervorbringt, die die seltsamsten Assoziationen aufwühlen. Sie mischt sich damit ganz selbstverständlich unter die anderen Instrumente. Das sind, in natura oder präpariert, Posaune, Gitarre, Violoncello, Kontrabaß, obendrein machen ein E-Baß, sowie hohle Backen, gegen die getrommelt wird, von sich hören. Die sieben ereignisreichen Stücke sind allesamt der Rubrik der absoluten Musik zugehörig, auch wenn Texte darin bisweilen verstanden werden und die Phantasie sich phantastische Programme, also Bilder malt – in „Metropolitana“ etwa: ein Hund bellt, eine Wespe summt, eine Geige singt, ein Mensch jault und schimpft und überläßt sich dann allerlei abenteuerlichen Sprach-, nein Sprechspielen. Oder in „Catcher in The Hay“: Der Bogen tanzt auf den Saiten, anderen werden klagende Töne entwunden, die Posaune kreischt, der E-Baß schlägt dumpf hallende Trommeltöne, der Kontrabaß jammert. Woanders tickt das Cello wie eine Uhr, es piept, fiept, schlägt und kratzt, eine Stimme malt an einem surrealen Bild: „... in Stunden ... zwei Vögelen schwankennt auf Tellern mit zwei Glas... und immer offen, ist was offen? ...“ Diese Sprechmusik ist kurios, aber sie ist gescheit gemacht, sie wird mit großem Aplomb musiziert und dabei zugleich inszeniert, sie hat Witz und ist überraschend spannend. (unit-Records UTR-4008, über: Recommended Records, Dominikanergasse 7, 8700 Würzburg)

Manfred Sack