Eine Institution wird 25 Jahre alt. Am 21. Januar 1961 wurde in Bonn der Studienkreis für Tourismus gegründet. Im Dezember feierte man das Jubiläum in München.

Wir wollten mehr Wissen haben“, damit begründete der Vorsitzende, Pfarrer Paul Rieger, bei der Festsitzung in München die Idee, die zur Entstehung des Studienkreises führte. Heute können die Starnberger auf eine stolze Bilanz schauen: In weit über hundert Tagungen zwischen Tutzing und Hamburg, bei 200 Kursen, in bisher über 200 Publikationen wurde das Phänomen des Tourismus durchleuchtet. Jährlich 350 Forschungssuchende wenden sich an den Studienkreis, blättern in 4000 Fachbüchern, 500 Studenten und ebenso viele Journalisten im Jahr suchen Antwort beim Studienkreis.

Der Tourismus der frühen Jahre war eine Sache der Masse und der Moral. Einige Kritiker wiesen schon bald auf den Sittenverfall an den Stränden hin, erinnerte sich Paul Rieger. So machte man sich daran, mit wissenschaftlichen Untersuchungen gegen Klischees anzukämpfen. Um den Menschen ging es dem Studienkreis immer, der vor 25 Jahren seine Arbeit mit 13 Gründungsmitgliedern, einem Etat von 50 000 Mark und dem heutigen Geschäftsführer Heinz Hahn als Halbtagsangestellten begann.

Gegen den Strom, auf dem die „hartleibigen Manager fahren“, so Paul Rieger, versucht der Studienkreis, Probleme anzusprechen. Die Dritte Welt, Ferien für Familien, Kinder und Jugendliche waren Themen. Die vom Studienkreis herausgegebenen „Sympathiemagazine“ sollen mehr Verständnis für die Ziele in der Dritten Welt wecken. Die augenfälligste Arbeit des Studienkreises ist die jährlich zur Internationalen Tourismusbörse in Berlin vorgelegte Reiseanalyse. Mit Hilfe von Meinungsforschungsinstituten werden 6000 Bundesbürger nach ihrem Urlaub befragt.

Gewürdigt wurde die „kreative Neugier“ der Tourismusforscher bei der Festsitzung in München auch vom bayerischen Wirtschaftsminister Alfred Jaumann. „Beharrlich, manchmal auch unbequem, aber immer voller Leidenschaft“ hätten sich die Starnberger für den Tourismus eingesetzt. Der Studienkreis sei so etwas wie „das Gewissen des deutschen Tourismus“ geworden und dies aufgrund privater Initiative, ohne jede staatliche Förderung. Auf dieses Lob können Heinz Hahn und seine 14 Mitarbeiter mit Recht stolz sein. Aber, so Heinz Hahn in einem Gespräch: „Wir werden zwar viel gelobt, aber wir kriegen keine zehntausend Mark, die notwendig wären, um Informationen aufzuarbeiten.“

Für den Studienkreis sind die vergangenen 25 Jahre kein Grund, sich auf Lorbeeren auszuruhen. Auskunfts- und Beratungsdienste, Datenbanken, Experten- und Literaturregister, weitere Reisen-, Begegnungs- und Austauschprogramme sind vorgesehen.

An Arbeit wird es nicht mangeln. „Wir haben keine heile Urlaubslandschaft“, sagt Pfarrer Rieger. Heidi Ganser