Von Evamaria Brockhoff

Die Zeit scheint günstig. Lauter werden die Stimmen, die Frauen im Berufsleben dieselben Chancen zubilligen wie Männern. Frauen können sich durchsetzen, suggeriert eine ganze Reihe von Professorinnen, Managerinnen, Unternehmerinnen. Hoffnungsfrohes tönt aus Zeitungsüberschriften: „Ministerin ermutigt Frauen zur Offensive“ oder: „Mehr Frauen ins Management“. Frauen sind gefragt.

Wie gefragt sind Frauen wirklich? Oder anders: Wie fragt man nach Frauen? Wäre es nicht schon ein Klischee, hier hätte ich wirklich gern geschrieben: Wie fragt Mann nach Frauen? Denn meistens sind es ja Männer, die als Personalchefs „nach Frauen fragen“ – oder eben nicht. Die Auswertung von rund 6000 Stellenanzeigen zweier überregionaler deutscher Zeitungen aus dem letzten halben Jahr läßt einen differenzierten Blick auf Ideal und Wirklichkeit zu.

Ein Widerspruch war Anlaß zu der Recherche: Da suchte eine deutsche Großbank „ihre/n Grundsatzreferent/in“. Was tatsächlich erwartet wurde, las sich so: „Von Begabung und Interesse her ist jene Verbindung von analytischem Denkvermögen mit zielorientierter, strategischer Kreativität erforderlich, die den guten Stabsmann... kennzeichnet.“ Die martialische Sprache (zielorientiert, strategisch, Stabsmann) entlarvt doppelt die männliche Welt, sind Metaphern doch nie unschuldig.

Dieses Beispiel ist kein Einzelfall. In 20 Prozent der ausgewerteten Anzeigen, in denen grammatikalisch beide Geschlechter angesprochen sind, findet sich im erläuternden Text keine einzige weibliche oder auch nur neutrale Form.

Der Sachbearbeiter/in wird bei „Eignung eine Beförderung zum stellvertretenden Leiter der Abteilung“ in Aussicht gestellt, in ähnlicher Weise verletzt es die Logik – und nicht nur diese –, wenn für die Stelle einer Ingenieurin der „ideale Bewerber ein Fachmann aus der Elektronik“ sein soll, wenn „Damen und Herren“ beruhigt werden, daß „der Neue“ sich schnell einarbeiten würde. Die Programmdirektorin eines Hamburger Privatsenders wird beschrieben als ein „Praktiker mit sicherem Urteil eines Hörfunk-Profis, dem Gespür eines guten Journalisten und der Begeisterung eines Mannes, für den Aufbau interessanter ist als das Verwalten bestehender Strukturen“. Armes Zwitterwesen – wer könnte sich für dich begeistern?

Des öfteren wird eine „Persönlichkeit“ gesucht, die in eine Arbeitsmannschaft integriert werden soll. Augenzwinkernd wird zwar betont, daß „Persönlichkeiten – natürlich auch Frauen – mit Verkaufserfahrung erwünscht“ sind, doch widersinnig heißt es in der Titelzeile: „Kleines Team sucht Kollegen!“ Das „Verkaufs-As“ ist ein „Verkäufer“, die „Bettenverkäuferin“ natürlich eine Frau. Auf einen „guten Mann“ wartet eine Versicherungsgesellschaft gern. Selbst einer Justizbehörde fällt nicht auf, daß die potentielle Datenschutzbeauftragte in der Ausschreibung konsequent „der Stelleninhaber“ genannt wird oder „der Leiter der Dienststelle“. Eine kirchliche Institution unterscheidet genau in ein und derselben Anzeige (!) unter den gesuchten „Mitarbeitern mit christlicher Grundeinstellung“: Für Leitungs- und Koordinationsfunktionen soll es explizit der „Psychologe“ sein. Daneben sind „Erzieher/innen“, „Heilpädagogen/innen“ gefragt.