Mit stattlichen Zahlen kann das Reisegewerbe aufwarten, schließlich gelten die Deutschen seit Jahren als „Reiseweltmeister“. Daß es aber auch viele überraschende „Reisezahlen“ gibt, beweist ein neues Buch.

Zum Jahresende rüsten sich die Statistiker: Wie sind Sommerundvergangene Wintersaison gelaufen? Die Resultate sind regelmäßig gewaltige Zahlen. Über 32 Millionen Urlaubsfahrten und gut 42 Milliarden Mark allein für die arbeitsfreien Wochen im Ausland. Kein Wunder, die Deutschen haben schließlich 30 Tage bezahlten Urlaub, wenn man die statistischen Mittelwerte errechnet. Allein die Italiener haben ähnlich viel Ferien – die US-Amerikaner bringen es durchschnittlich nur auf zwölf und die Japaner sogar nur auf zehn Tage.

Diese und Hunderte anderer Daten hat jetzt der Frankfurter Umschau-Verlag in einem Buch gesammelt; das „Faszinierende Zahlen-Mosaik“ (164 Seiten, 19,80 Mark) addierte in allen Winkeln der Nation herum. Verständlicherweise nimmt der Reise- und Freizeitbereich besonders viel Raum ein in dieser Zahlenspielerei, es wird bei uns nämlich (statistisch!) immer weniger gearbeitet. Anno 1960 mußten wir uns mit 105 freien Tagen und 261 Arbeitstagen abfinden. 1985 sah das Verhältnis so aus: 207 Arbeits- und 158 freie Tage. Im Jahr 2010 ist einer Hochrechnung zufolge dieses Verhältnis umgekehrt, dann widmen wir uns 163 Tage der Arbeit und 202 Tage der Freizeit.

Mag sich auch die Zahl unserer Arbeitstage vermindert haben, so gilt das doch nicht für die Zahl der Tage, die wir für Vater Staat malochen. Durchschnittlich 146 Tage gehen wir unseren Berufen nach, um unsere Steuerlast anzuschaffen. Das heißt, theoretisch arbeiten wir alljährlich bis zum 16. Mai exklusiv für das Finanzamt. Aber eine weitere Steuerreform ist ja inzwischen angesagt. Dann werden wir wohl auch auskommen mit den tariflich vereinbarten 1708 Arbeitsstunden pro Jahr in der Industrie.

Damit arbeiten wir weitaus weniger als alle vergleichbaren Industrienationen. „Aus dem einst fleißigen deutschen Volk ist“, so merken die anonymen Autoren giftig an, „durch verfehlte Gewerkschaftsfunktionärs-Ideologie ein bequemes ‚Freizeitvolk‘ geworden.“

Wie würden die Autoren erst reagieren, wenn Sie bemerkten, daß wir Deutschen noch viel mehr Urlaub machen können, als sie – offenbar von den vielen Zahlen verwirrt – zusammengerechnet haben. Sie schreiben – wir erwähnten die Zahl schon – zum Auftakt des Reise-Kapitels: „Im Durchschnitt haben bundesdeutsche Arbeiter und Angestellte 30 Tage Urlaub, die sich mit etwas Geschick auf fünf Wochen strecken lassen, wenn man die Feiertage hinzunimmt.“ Nur fünf Wochen? Da muß man schon mächtig ungeschickt sein. Wer mag, kann es nämlich 1987 mit 30 Urlaubstagen auf etwa neun freie Wochen bringen. A. T.