Hölderlin

Hannelore Kohl berichtet einer Freundin: „Ich habe eine alte Hölderlin-Ausgabe für meinen Mann bekommen!“ Darauf die Freundin: „Guter Tausch!“

Aus dem in Korea zweisprachig erschienenen Band „Kohl-Witze“. Der Herausgeber, Nanja Shin (ARD Seoul), versteht den 250 Seiten dicken Band, angereichert durch Photos und Karikaturen des Kanzlers, wie Worterklärungen und Anmerkungen zeigen, auch als Lehrbuch der deutschen Sprache.

In Katastrophendingen ist das Gedächtnis ein besonders schläfriges Wesen, aber ein Blick in die Beilagen der Zeitungen und in die Magazine, wo die üblichen Jahresretrospektiven stattfinden, lehrt: Dies waren zwölf Katastrophenmonate, wobei die diesjährige Unglückskollektion, zeitungstechnisch betrachtet, den Mangel hatte, daß man sie so verdammt schlecht abbilden kann. Am schlimmsten: Tschernobyl. Lange gab es überhaupt kein Photo, dann sah man die verschwommene Aufnahme eines unbeeindruckenden Industriekomplexes, der genauso schlecht in Bari oder Gelsenkirchen hätte stehen können. Es gab kein Bild, und es war auch keins vorstellbar, das die wahre Dimension der Katastrophe hätte vergegenwärtigen können. Geringfügig besser: Sandoz/Basel. Aber auch die toten Aale konnten nicht wirklich veranschaulichen, was passiert war, und vor allem nicht: was hätte passieren können.

Die guten alten Erdbeben und Feuersbrünste! Noch Dezennien später schauderte es die Besucher der Jahrmärkte und der Kinos. Die modernen Katastrophen sind nicht mehr abbildbar. Das erhöht ihre Unheimlichkeit, und es mindert die Haftung im Gedächtnis. Eine Katastrophe des Jahres ’86 jedoch war anders, und deshalb ließen sich die Zeitungen und Magazine ihre Abbildung auch nicht entgehen: Überall sah man und sieht man den schrecklich schönen, torkelnd sich drehenden Kometenschweif, in dem die sieben Challenger-Astronauten am 28. Januar 1986 verglühten. Ein Bild, so gewaltig und katastrophal, daß es all die tausendfachen Abbildungen überstanden hat und zum Feuerzeichen dieses Jahres geworden ist, vielleicht dieser Epoche.