ZDF, Donnerstag, 15. Januar, 22.50 Uhr: „Abschied von Winnetou – Hollywood und die letzten Indianer“ von Georg Eich

Mit Federn und Perlen geschmückt wurden sie uns präsentiert, mal als edle Wilde, mal als grausame Skalpjäger oder Kindesentführer: die Indianer der Hollywood-Filme. Wir nahmen sie in zahllosen Western nicht als Menschen, sondern als Klischees wahr. Indianische Mythen, indianische Realität wurden weitgehend ignoriert, was zählte, waren action und Abenteuer.

Das soll nicht so bleiben. Native Americans („geborene Amerikaner“), wie die Indianer selber sich nennen, haben begonnen, die eigene Geschichte in eigener Regie zu zeigen. Bisher gibt es vor allem Dokumentarfilme, doch genug engagierte und couragierte Schauspieler, Filmemacher und Produzenten indianischer Abstammung, die eigene Spielfilme drehen.

Fünf Monate lang ist der Filmemacher Georg Eich kreuz und quer durch Nordamerika und Kanada gefahren, um diesen Menschen auf die Spur zu kommen. Kein leichtes Unterfangen, denn Unabhängigkeit und Mobilität haben sich die Indianer auch im Filmgeschäft bewahrt.

Dennoch, nach 30 000 Kilometer on the road, hat Eich eine stattliche Zahl indianischer Filmkünstler vor die Kamera geholt. Der bekannteste unter ihnen: Will Sampson. In dem Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ triumphierte er über die Institution – eine sympathische Figur, ein Held sui generis. Das ist – bei den über zweitausend Hollywood-Filmen, in denen indianische Darsteller mitwirkten – in der Tat eine Rarität. Fast jeder Gesprächspartner, auf das Hollywood-Klischee angesprochen (Eich entließ kaum einen ohne diese Frage), erinnerte sich an diesen Film als positives Beispiel. Ende der siebziger Jahre begann ein neues Kapitel im amerikanischen „Indianer-Film“: Aus Statisten wurden Charaktere.

Zwei Filme, die diese neue Tendenz eindrucksvoll belegen, zeigt das ZDF im Januar: „Am heiligen Grund“ (16. 1.) und „Das Vermächtnis des Indianers“ (21. 1.). Vor allem dieser Film erhielt in amerikanischen Zeitungen viel Lob und Anerkennung. Er ist bis auf die Hauptfigur mit indianischen Schauspielern besetzt. Die Handlung, im 18. Jahrhundert angesiedelt, breitet eine Familiensaga aus, in der es um Tod und Wiedergeburt geht.

Dieser Film hat, schrieb die amerikanische Kritik, den Indianern etwas von der Würde zurückgegeben, die sie so lange in Western entbehrt haben. Trevor Howard spielt das Familienoberhaupt mit indianischer Perücke und gegerbter Haut. Ganz ohne Konzessionen an das weiße Publikum scheint der indianische Film noch nicht auskommen zu können. Zudem – Eichs Gesprächspartner neigen eher zum Understatement – müssen die Indianer vor und hinter der Kamera noch viel von ihren Kollegen der etablierten Filmindustrie lernen.