Das mußte ja so kommen. Wieder einmal war es eben zu viel, zu schwer, zu gut. Erst Lachs und Leberpastete, Karpfen, Gans und Stollen – und nun der Katzenjammer. Da rechnet der Verbraucher wieder mit den Kalorien und den Pfennigen. Und stößt dabei auf diese frischen Früchte mit der dünnen, ein wenig pelzigen Schale.

Vor wenigen Jahren noch war die Kiwi eine Rarität. Scheibchenweise – sparsam, sparsam – zierte sie hier eine Vorspeise von Meeresfrüchten, dort eine Torte. Witzigmann pries sein Kiwi-Sorbet, und folgerichtig spielte es bald in den Klatschspalten eine ebenso prominente Rolle wie Kir Royal.

Das ist gegessen. Die Frucht, Stückpreis damals unter Kennern 1,40 Mark, hat eine Metamorphose zum Massenartikel hinter sich. Heute kostet eine Kiwi im Supermarkt 49 Pfennig. Das ist keine „Aktion“, wie Einzelhändler so etwas gern bezeichnen, sondern ein Dauerpreis. Daneben liegt ein Apfel, ein duftender Cox Orange. Woher? Aus Krummhörn in Holstein. Er hat eine Reise von weniger als hundert Kilometern hinter sich und kostet 68 Pfennig.

Der Verbraucher kommt da ins Grübeln. Hat er nicht gelernt, daß eine Ware um so teurer angeboten wird, je mehr Zwischenhändler daran verdienen wollen (oder müssen)? Und wenn er nachrechnet: die Ernte, die Verpackung, die Transportkosten, der Großhandel... 49 Pfennig, da muß doch einer rote Zahlen schreiben.

Also nachgefaßt. Der Obstverkäufer: „Tja, die sind im Moment günstig. Da ist wohl die Anbaupolitik ein bißchen aus dem Ruder gelaufen. Das geben wir natürlich an die Kundschaft weiter.“ Der gute Mensch.

Der Importeur. „Eine Klasse-Saison. Der Markt (damit meint er uns Verbraucher) ist noch längst nicht gesättigt. Das ist eine alte Erfahrung: Geld lockt Ware an. Der Handel reagiert da ganz gelassen. Das Geld fehlt wohl am ehesten den Produzenten.“ Der gute Kaufmann.

Der Transporteur. „Kiwi? Eine heikle Sache. Die Dinger sind extrem druckempfindlich. Der Erntezeitpunkt ist wichtig, und dann muß sie gekühlt werden, während des Transportes, und dann bei der Lagerung. Per Luftfracht habe ich aber kaum ein Risiko.“ Der gute Wegbereiter.