Noch einmal, bevor sie an die Börse gehen, stauben die Schneehelden von gestern ab auf vertrautem Terrain. Rosi Mittermaiers und Christian Neureuthers Co-Produktion „Ski-Urlaub“ ist neuerdings am Kiosk für 14,80 Mark zu haben. „Unser Buch“ tituliert sich breitspurig das Hochglanz-Heft. Indes, es zerfällt bereits beim ersten Aufschlagen in lauter lose Blätter. Sei’s drum: Mehr als ein flüchtiges Durchblättern hält man ohnehin nicht aus.

Es ist halt schon ein Unterschied, ob sich jemand mit Skistöcken oder mit dem Griffel über die selbstredend „schönsten“ Wintersportorte, Pisten und Hütten hermacht. „Wir haben uns Mühe gegeben“, beteuern Rosi und Christian denn auch zuallererst. Man merkt’s. „Christian grüßt Fritzmaier“ und „Hier hat Rosi ’nen eigenen Tunnel“, – Leitsprüche wie diese sind Früchte der Qual. Damit nicht genug, die beiden ringen sich auch begnadete Bildunterschriften ab. Von schlichter Schönheit beispielsweise „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“, „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ oder „Sauber, sauber sag i“. Unsereins sagt nix mehr angesichts solch vollendeter Raffinesse: „Voulez vous coucher avec Moët?“ und „Ski loves me, yeah, yeah, yeah!“

Präzise kommen die beiden Ski-Schätzchen dann zu den Details. „Irre viel Sonne, irre viel Sport, irre viel Spaß. Skatclub und Kegelschwestern,“ kabeln Rosi und Christian in Saalbach-Hinterglemm. „Die Tiroler sind lustig. Die Hütten saugut“, melden sie aus dem Brixental. Zu Chamonix entfährt ihnen: „Das wahre Vergnügen findet abseits der Pisten statt. Auf dem ‚Ziegenpfad‘ dürfen Sie sich keinen Bock erlauben.“ „Ein wahnsinniges, ein prickelndes Gefühl.“ Die Lust überkommt das immer schon rasante Paar schließlich in Lech/Zürs.

Überhaupt geistert Rosis und Christians Zweierbeziehung durch den gesamten Guide. Da ist nicht nur von trostspendendem Händchenhalten die Rede, leutselig geben die beiden auch preis, in welcher Skistation der erste Kuß fiel und in welch blütenzartem Alter. Und immer noch nagt kein Konflikt am Traumpaar: Sie haben die gleichen Lieblingshütten (diese übrigens sind in den Pistenkarten des Heftes sogar durch Signet speziell ausgewiesen), Lieblingspisten, Lieblingshotels und Lieblingsgeschäfte.

Außerdem sind beide in Garmisch zu Hause. Der Ort gehört darum selbstverständlich zu den „Perlen“ des Wintersports. Obwohl es dort „ein heißes Thema“ gibt: Die vier Skischulen liegen derart miteinander im Clinch, daß Rosi und Christian von Sabotageakten munkeln. Dabei sind die Skischul-Chefs „eigentlich alles nette Burschen“, bedauert das Gespann. Der Tourist weiß solch hintergründige Informationen gewiß zu schätzen. Er freut sich obendrein zu erfahren, daß Rosi und Christian selber in Garmisch zufällig auch eine Skischule ihr eigen nennen.

Das meiste machen Rosi und Christian in ihrem Skiheft wirklich selber. Die Inserate zum Beispiel, egal, ob es sich nun um Werbung für Schneeketten dreht, für Energieschnitten oder für Instant-Kaffee.

Eine Schwachstelle bekennen die cleveren Allrounder erst im letzten Abschnitt ihres Werks: „Wir können Skigymnastik nicht mehr sehen!“ Weil Trockentraining aber sein muß, ließen sie sich was ganz Besonderes einfallen. Für eine Photoserie ist Rosi flugs ins Dirndl, Christian in eine reich. bestickte Lederhose geschlüpft. Auf einer sommerlichen Alm – man erfährt, „da gibt’s koa Sünd“ –, umrahmt von Bergen und Wald, verhakt sich das Paar in unterschiedlichen Posen. Trainer Christian tut kund: „Die Übung ist nur richtig, wenn man ihren Busen spürt.“ Haflinger sind mit von der Turnpartie: „Ich glaub, mich küßt ein Pferd“, stöhnt der Text zur Bauchmuskelübung von Christian, Roß und Rosi. Auch Rindviecher sind im Bild: „Die Kuh flüchtet im Galopp, nur fort, nur fort.“ Kein Wunder: „Christian klammert sich an Rosi und bleibt in der Schwebe.“

Dem Vergleich mit so akrobatischen Zauberstücken hält das Skifahren selber kaum Stand. Damit das ewig gleiche, langweilige Pisten-Auf und -Ab denn auch nicht zur üblen Routine wird, schicken Rosi und Christian die Leser in ihre „Spaß-Schule“. Er exerziert dort einen „Golf-Schwung“ vor, sie das Kurven als Kellner. Zusammen drehen sie sich nostalgisch im Dreivierteltakt. „Sieht super aus, wenn eine. Pärchen-Clique rhythmisch den Hang hinunterwalzt“, schwelgen die Schneewalzer-Könige. iso