Der Club Méditerranée hat das älteste und am schönsten gelegene seiner drei Feriendörfer auf Korsika, den Club Santa Giulia, Hals über Kopf verlassen.

Als Grund nannte der Club-Med-Chef Gilbert Trigano in Briefen an verschiedene Persönlichkeiten der Insel und der Pariser Zentralbehörden „ein völliges Fehlen von Sicherheit“ für seine Anlage, beschuldigte jedoch nicht die Separatisten, deren „Nationale Befreiungsfront“ FLNC alljährlich von sich reden macht und noch vor wenigen Jahren auch den Club nicht verschonte. Eigenartig ist weiter, daß die Öffentlichkeit von den etwa hundert Briefen erst über einen Monat später erfuhr. Immerhin handelte es sich beim Club Santa Giulia um einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in der Region von Porto Vecchio an der südlichen Ostküste.

Im Clubdorf wurden jährlich 15 000 Urlauber beherbergt, die Clubaktivitäten ließen rund 400 000 Franc an Steuern und Abgaben in die Kissen von Porto Vecchio fließen, die Einnahmen der für den Club arbeitenden Lieferanten, Handwerker und Transportbetriebe werden auf mindestens das Vierfache geschätzt.

Gilbert Trigano, der „technischer Berater für Tourismus“ der im März abgelösten sozialistischen Regierung in Paris war, zählte als (unwidersprochene, aber übertrieben genannte) „Unsicherheitsfaktoren“ eine Serie von kriminellen Übergriffen, Einschüchterungsversuchen, Brandstiftungen und Mißhandlungen des Personals auf. Eine Untersuchung über Angriffe auch auf herbeigerufene staatliche Ordnungshüter ist im Gang, die örtlichen Stellen wollten sich dazu nicht äußern.

Joby Corse Pandolfi, Haupteigentümer des Clubgeländes, erwähnte in der Zeitung Le Provençal / La Corse, daß der Club von Santa Giulia schon seit längerem baufällig war, daß vor allem seine Abwässer mangels einer adäquaten Klärstation die Lagune von Santa Giulia verschmutzten und somit die dort angesiedelten touristischen Anlagen schädigten. Daraus wurde von Monsieur Pandolfi der Schluß gezogen, daß Trigano Santa Giulia vor allem aufgab, um sich die dringend notwendig gewordenen Neuinvestitionen zu ersparen. Der Pachtvertrag wäre erst in drei Jahren ausgelaufen. Nun aber zog Trigano es vor, zum Saisonende alles, was nicht niet- und nagelfest war, abreißen zu lassen und in seine beiden anderen Clubdörfer Cargèse und Sant’Ambrogio zu schaffen.

Jaby Corse Pandolfis Sohn hat inzwischen den Restpachtvertrag erworben, damit kein Dritter Rechte auf das Terrain erhält. Er ist Aktionär der korsischen Gesellschaft, die schon im nächsten Sommer in Santa Giulia ein renoviertes, den Umweltanforderungen genügendes Feriendorf eröffnen will.

Alphons Schauseil