DIE ZEIT: Herr Professor Heer, wie beurteilen Sie mit Ihrer langjährigen Erfahrung die Zusammenarbeit der Flugsicherung mit den Fliegern?

Prof. Heer: Die Flugsicherung wird durch das hohe Verkehrsaufkommen in der Bundesrepublik und die Enge des nutzbaren Luftraumes in der Ost-West-Ausdehnung sehr erschwert. An den zehn Verkehrsflughäfen werden jährlich eine Million Starts und Landungen, dazu etwa eine Million Überflüge des Linien- und Charterverkehrs sowie annähernd eine Million militärische Flüge abgewickelt. Die Teilnehmer des allgemeinen Luftverkehrs drängen auf möglichst uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Der zivile Linienluftverkehr fordert neben der sicheren Flugdurchführung pünktliches, wirtschaftliches Fliegen, das heißt möglichst ohne Umwege. Die Militärs erwarten flexible Anwendung von Sonderverfahren.

ZEIT Wie werden diese unterschiedlichen Interessen unter einen Hut gebracht?

Heer. Die Bundesminister für Verteidigung und Verkehr haben vereinbart, ihre Zusammenarbeit auf der Grundlage eines neuen einheitlichen und gemeinsamen zivil-militärischen Betriebskonzeptes zu verbessern. Seit April 1984 wird es in der Flugsicherungszentrale Düsseldorf und in Simulationen in Bretigny bei Paris bei der Eurocontrol erprobt. Die Ergebnisse müssen aber abgewartet werden.

ZEIT: Wie sieht es mit dem Stand der Technik bei der deutschen Flugsicherung aus?

Heer: Die technische Ausrüstung der Flughäfen hat gerade in letzter Zeit eine wesentliche Ergänzung erfahren. Nachdem die Regionalstellen in Frankfurt, Bremen, Düsseldorf und München bereits seit einiger Zeit mit dem hochmodernen DERD-MC-System (Darstellung von extrahierten Radardaten, minicomputergesteuert) ausgerüstet sind, haben jetzt auch die sechs Anflugkontrollstellen in Köln-Bonn, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Nürnberg und Stuttgart solche Anlagen erhalten. Das System bietet dem Fluglotsen einen Überblick über sämtliche Flugzeuge in seinem Bereich. Durch den Rechnerverbund, die laufende automatische Betriebsprüfung und die automatische Umschaltung bei Störungen wird ein sehr hohes Maß an Sicherheit erreicht.