Mit welchen Strategien rechtsextremistische Verlage auf Lesersuche gehen

Von Hans Sarkowicz

Offensichtlich nähert sich der Zeitpunkt, an dem auch eine volksbewußte neue Partei die für solche Parteien aufgebauten Hindernisse überwinden kann. Die Zeit, in der die Bonner Parteien damit rechnen können, von vielen als ,kleineres Übel‘ gewählt zu werden, läuft aus.“

Mit diesen prophetischen Sätzen eröffnet Peter Dehoust, Chefredakteur und Herausgeber der in Coburg erscheinenden Monatsschrift Nation Europa, die November-Ausgabe 1986 seines Blattes. Sie ist dem Thema „Was kann man wählen?“ gewidmet.

Die vom Verfassungsschutzbericht des Bundesinnenministeriums als ausländer- und judenfeindlich eingestufte Publikation (Auflage: 10 000 Exemplare) ist das erste rechtsextremistische Organ, das die Sympathien für die NPD mit offener Agitation für eine „Vereinigte Rechte“ unter Führung der „Republikaner“ vertauscht hat.

Ob Franz Schönhuber, dem Vorsitzenden der „Republikaner“, diese ungebetene Wahlhilfe recht ist, bleibe dahingestellt, akzeptieren wird er sie wohl gern, auch wenn er jede Verbindung zur extremen Rechten bestreitet. Harald Neubauer jedenfalls, jetzt zweiter Mann der „Republikaner“ und früher Redakteur der Deutschen National-Zeitung, fand sich für ein Interview mit Nation Europa bereit und erläuterte die Ziele seiner Gruppierung. Sie habe den Mut, „patriotische Positionen gegen nationalmasochistischen Meinungsdruck offensiv zu vertreten“. Der Erfolg von Schönhubers Partei bei den bayerischen Landtagswahlen kam keineswegs so überraschend. Schönhuber ist der eher zufällige politische Repräsentant einer Entwicklung, in deren Verlauf sich die Grenzen auf der rechten Seite des politischen Spektrums zu verwischen beginnen.

Die rechtsextremistische Publizistik in der Bundesrepublik ist dabei, aus ihrem Getto herauszutreten. Sie bedient sich dazu populärer konservativer Intellektueller, die ihre Vorbehalte gegenüber Vertretern der Ultrarechten verloren zu haben scheinen.