Schickel gibt unter anderem die „Materialien zur Ostkunde“ bei Herbig heraus. Auch ihn konnte Wigbert Graben für seinen Verlag verpflichten, so für das „Handbuch zur Deutschen Nation“ und für die Vierteljahresschrift „Deutschland in Geschichte und Gegenwart“.

Die geschickten Winkelzüge, mit denen es dem Tübinger Doppelverleger gelungen ist, bekannte Autoren an sein Unternehmen zu binden, haben in der rechtsextremistischen Publizistik schon einen, wenn auch mehr am kommerziellen Erfolg interessierten Nachahmer gefunden: den Kieler Dietmar Munier, der in den siebziger Jahren mit seinem „Sturmwind-Buchdienst“ gute Kontakte zu den „Jungen Nationaldemokraten“, dem „Bund Heimattreuer Jugend“ und der „Gesellschaft für Freie Publizistik“ unterhielt. Sein Reisebericht nach Pommern („Reise in ein besetztes Land“) erschien im Kieler Arndt-Verlag, der auch das „Handbuch gegen Überfremdung“ des NPD-Funktionärs Günter Decken herausbringt. Für die zweite Auflage des Munier-Bandes schrieb übrigens Hellmut Diwald das Vorwort.

Ende 1983 gründete Munier in Kiel den Orion-Heimreiter-Verlag neu, der als Heimreiter-Verlag bereits in den fünfziger Jahren das Licht der Öffentlichkeit erblickt hatte. Leiter war damals Ernst Frank, ein Bruder des als Kriegsverbrecher hingerichteten Reichsprotektors von Böhmen und Mähren, Karl Hermann Frank. Die Freundschaft zu dem ebenfalls aus dem Sudetenland stammenden Schriftsteller Erwin Guido Kolbenheyer und die eigene Vergangenheit als NS-Funktionär prägten das Verlagsprogramm.

Munier beließ nach der Übernahme erfolgreiche Titel wie die Erinnerungen des Rammjäger-Kommodore Walther Dahl (16. Auflage) und die vehemente Verteidigung des als Kriegsverbrecher hingerichteten Reichsprotektors von Böhmen und Mähren, Karl Hermann Frank (4. Auflage), im Angebot, suchte aber parallel dazu nach Wegen, neue Leser zu gewinnen. Tatsächlich ist es ihm gelungen, einige prominente Autoren wie Irenäus Eibl-Eibesfeldt oder Hans Jürgen Eysenck zu engagieren, die sich allerdings nicht bewußt sein dürften, in welchem Umfeld sie publizieren.

Die Taktik, mit zugkräftigen Namen auf Kundenfang zu gehen, findet im rechtsextremistischen Lager immer weitere Verbreitung. So wirbt der „Schutzbund für das Deutsche Volk“, der aus dem berüchtigten „Heidelberger Manifest“ hervorgegangen ist, mit einem von Karl Steinbuch verfaßten Flugblatt. Der Naturwissenschaftler und Bestsellerautor sieht darin die Zukunft Deutschlands bedroht, wenn nicht mehr Kinder in die Welt gesetzt werden.

Als Zugpferd für die Veranstaltungen seiner rund 12 000 Mitglieder umfassenden „Deutschen Volksunion“ setzt der Münchner Verleger Gerhard Frey den britischen Sensationshistoriker David Irving ein, der jederzeit standhaft verkündet, Hitler habe von der Judenvernichtung nichts gewußt. Bundesweite und sogar internationale Anerkennung gaukelt Frey den Lesern seiner Zeitungen mit der Serie „Woran glauben Sie?“ vor. In dieser Reihe erscheinen bisher unter anderen Interviews mit Hans-Jürgen Eysenck, dem früheren Nato-Oberbefehlshaber Sir John Hackett, Huschke von Hanstein, Christa Meves, Hugo Strasser, Heinz Haber und Erzbischof Lefebvre.

Für die rechtsextremistischen Verlage führt kein Weg an Frey vorbei. Mit seinen drei Zeitungen (Deutsche National-Zeitung, Deutscher Anzeiger und Deutsche Wochen-Zeitung die zusammen eine Auflage von weit über 100 000 Exemplaren erreichen, und dem angeschlossenen „Deutschen Buchdienst“ sorgt er, sicherlich nicht zu seinem eigenen Nachteil, für einen florierenden Umsatz aller der Publikationen, die in sein Konzept des Geschichtsrevisionismus passen. In dem von seiner Frau geleiteten FZ-Verlag erschien das „Enthüllungs-Lexikon – Prominente ohne Maske“ (6. Auflage seit 1984, unterdessen mit einem 2. Band), das „Ehrenbuch des deutschen Soldaten“ und „Die Wahrheit über Weizsäcker“. Schon diese drei Titel machen die Arbeitsweise von Frey deutlich. Es geht ihm darum, all diejenigen, welche sich zur deutschen Schuld bekennen, zu verunglimpfen und dabei das deutsche Soldatentum zu glorifizieren. Leser scheint es für diese Machwerke genug zu geben.