Bernhard Lathière, der frühere Präsident der europäischen Airbus Industrie, hatte den amerikanischen Flugzeugbauer McDonnell Douglas gar nicht mehr auf der Rechnung. Für ihn gab es nur noch zwei nennenswerte Unternehmen: Boeing, den Giganten in den Vereinigten Staaten, und eben Airbus. Zwischen diesen beiden wollte er den Weltmarkt für Großraumflugzeuge aufteilen – und sich dabei mit bescheidenen 35 Prozent begnügen.

Das Airbus-Management hatte sich diese Einschätzung weitgehend zu eigen gemacht. Doch nun heißt es umdenken, denn plötzlich sind es wieder drei. McDonnell Douglas hat beschlossen, ein dreimotoriges. Langstreckenflugzeug als Nachfolger für die nicht mehr verkäufliche DC 10 zu bauen, die MD-11. Für das Flugzeug liegen bereits 52 Bestellungen vor.

Als die Amerikaner ihr Projekt vor eineinhalb Jahren ankündigten, wurde es noch belächelt. Doch nun haben sie die Nase sogar vorn, denn die Entscheidung über das von der Airbus Industrie geplante viermotorige Langstreckenflugzeug A 340 schleppt und schleppt sich dahin. Wieder einmal zeigt sich die altbekannte europäische Krankheit, Projekte, die langfristig angelegt sein müssen, zwischendurch immer wieder in Frage zu stellen und damit auch potentielle Kunden immer wieder zu verunsichern.

Die Entscheidung von McDonnell Douglas ist eine neue Herausforderung für die Europäer und für die Airbus Industrie; sie verheißt einen sicher mörderischen Wettbewerb. Wenn Europa in diesem Wettkampf nicht gleich das Handtuch werfen will, kann die Antwort nur heißen: Durchstarten.

hm