Der Start ins neue Börsenjahr war verhalten, das Geschäft auf dem Aktienmarkt blieb schleppend. Das hat viele Börsianer enttäuscht. Sie hatten im stillen Kämmerlein mit ähnlich furiosen Januarwochen gerechnet wie in 1986. Bisher zeichnet sich jedoch nichts ähnliches ab. Auch Hoffnungen auf eine Vorwahl-Hausse scheinen sich nicht zu erfüllen.

Dabei war die Tendenz bisher nicht unerfreulich. Als Aktienkäufer waren institutionelle in- und ausländische Anleger auszumachen. Die private Kundschaft hielt sich trotz überquellender Kassen noch zurück. Sie ist nicht zuletzt durch die Ratschläge zahlreicher Wertpapierexperten verunsichert, die dazu auffordern, eine möglicherweise einsetzende Wahl-Hausse zu Gewinnmitnahmen zu benutzen. Die Behauptung, 1987 werde zu einem Aktienjahr für Profis, schafft ebenfalls nicht gerade Zuversicht. Das sind nicht zuletzt Gründe, die einen Anschluß an den ungewöhnlichen Anstieg amerikanischer Aktien bislang verhindert haben.

Bei der Suche nach „zukunftsträchtigen“ Papieren verharren die Anlageexperten weiterhin am Markt für Elektro- und Elektronik-Aktien, da die Investitionen auch in diesem Jahr wieder mit Schwerpunkt im Rationalisierungsbereich liegen werden. Davon dürften Unternehmen wie PKI, Nixdorf und SEL profitieren, und zwar unabhängig von der Währungsentwicklung. Allerdings sind die Kurse dieser Gesellschaften schon ziemlich weit vorausgeeilt, was sich von der Siemens-Aktie nicht sagen läßt. Sie liegt immer noch deutlich unter ihrem vorjährigen Höchststand. In den zurückliegenden Tagen sorgten Käufer dafür, daß der Siemens-Kurs die im Dezember eingetretene Delle wieder ausgebügelt hat. In wenigen Wochen wird Siemens den Abschluß für 1985/86 präsentieren. In Umrissen ist er weitgehend bekannt. Mit um so mehr Spannung warten die Börsianer darauf, was der Vorstand zum laufenden Geschäftsjahr zu sagen hat, von dem dann schon vier Monate verstrichen sein werden.

K. W.