Gelsenkirchen

Er sprach nie viel über sich; und wenn er in seinen Filmen versehentlich mal kurz zu sehen war, zürnte er dem Kameramann. Robert Hartmann hatte eine für Journalisten untypische Eigenschaft: Er drängte sich nicht in den Vordergrund. So blieb er einem größeren Publikum wohl eher unbekannt, obwohl in manchen Jahren bis zu fünf Dokumentationsfilme von ihm im Abendprogramm von ARD und ZDF zu sehen waren.

Die Menschen um ihn herum, die sogenannten kleinen Leute, interessierten ihn. Er nahm sie ernst, konnte ihnen stundenlang zuhören. So gelangen ihm einfühlsame Porträts, etwa über den kommunistischen Bergarbeiter und einstigen Widerstandskämpfer Albert Stasch aus Essen- Katernberg. Meist in Großaufnahme und mit knappen Kommentaren führte er seine Protagonisten vor, ohne daß diese sich vorgeführt fühlten.

Robert Hartmann suchte seine Themen dort, wo er lebte: im Ruhrgebiet. Hierhin, in den Essener Stadtteil Altenessen, war er als Siebenjähriger mit seiner Mutter aus Prag gekommen. Sein Vater, ein Jude, hatte in die USA emigrieren müssen. Nach dem Abitur arbeitete Robert Hartmann in Essen bei einer Zeitung und wechselte später zum Film.

Für seine Dokumentationen erntete er stets Kritikerlob, zu Hause wurde er jedoch häufig angefeindet. Als etwa 1983 im WDR sein zweiteiliges Porträt der Stadt Essen gezeigt wurde, hagelte es Proteste bis hin zur Morddrohung. Jahrelange Bemühungen um ein besseres Ruhrgebiet-Image habe dieser Film zunichte gemacht, warf man ihm vor.

In den letzten Jahren wirkte Hartmann fast nur noch in der DDR. So porträtierte er etwa für den WDR Rostock oder den Ost-Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Für das ZDF produzierte er eine Serie über ehemalige jüdische Zentren in Europa. Sein letztes Werk, ein Film über das „Traumschiff“, das nun als Erholungsdampfer für DDR-Bürger dient, konnte der Filmautor nicht mehr beenden: Am Neujahrstag starb Robert Hartmann im Alter von 47 Jahren in seinem Wohnort Gelsenkirchen an den Folgen eines Herzinfarkts. R. K.