Von Heinz Michaels

Es hätte auch in München passieren können. Doch dort hatte, wie die Flieger so sagen, „der liebe Gott seinen Daumen dazwischen“. Sozusagen eine Daumenbreite nur waren die beiden Flugzeuge, eine Verkehrsmaschine und ein Privatflugzeug, auseinander – gerade noch dreißig bis fünfzig Meter. Nüchtern beschreibt die Vereinigung Cockpit (VC), die Berufsvereinigung der deutschen Verkehrspiloten, den Vorfall:

„Eine Boeing 727 befand sich aus Frankfurt kommend im Endanflug auf die Landebahn 25. Anflugsgeschwindigkeit: 270 km/h. Eine einmotorige Cessna 210 hatte für die parallele Grasbahn ebenfalls eine Landefreigabe bekommen. Sie flog zunächst höher als die Passagiermaschine und kreuzte deren Kurs voraus von rechts nach links. Nach der Aufforderung des Kontrollturms, eine Rechtskurve zu fliegen, änderte der Pilot die Flugrichtung und befand sich direkt auf Kollisionskurs. Die Besatzung der Boeing konnte einen Zusammenstoß nur durch eine Rechtskurve und ein Durchstartmanöver verhindern. Nach ihren Aussagen näherten sich beide Flugzeuge bis auf eine Entfernung von 30 bis 50 Meter, in einer Höhe von nur 100 bis 130 Meter über Grund.“

Das war am 7. August vergangenen Jahres um 11.30 Uhr. Gut drei Wochen später krachte es über Los Angeles. Ein Sportflugzeug rammte eine DC 9. Die Flugzeuge stürzten auf die Bungalows von Cerritos, einem gutbürgerlichen Vorort von Los Angeles. 82 Tote waren zu beklagen.

Es war heller Sonnenschein, als eine einmotorige Piper Cherokee in Torrance, knapp zwanzig Kilometer von dem vielbeflogenen Los Angeles International Airport entfernt, um 11.40 Uhr startete. Fünfzehn Minuten später kreuzte der Pilot auf seinem Weg zu dem Großen-Bären-See den Kurs eines Passagierjets der Aeromexico, die in Los Angeles landen wollte, und flog in dessen Leitwerk. Keiner der beiden Piloten hatte noch eine Chance für eine Notlandung.

Acht Jahre vorher, im September 1978, hatte sich beim Landeanflug auf den Flughafen von San Diego, ebenfalls in Südkalifornien, ein ähnlicher Unfall ereignet. Es gab 144 Tote.

Spektakuläre Unfälle wie diese und ihr Echo in den Medien erwecken immer wieder den Eindruck, daß der Luftverkehr besonders gefährlich ist. In seinem Buch „Wie sicher ist Fliegen?“ rechnet der Schweizer Luftfahrtjournalist Sepp Moser jedoch vor: „Tatsächlich ist die Gefahr, in Mitteleuropa beim Überqueren einer Straße getötet zu werden, etwa 32mal größer als jene, während einer Flugreise umzukommen.“