Aus einem Vortrag von Horst Gehlen, Sprecher der Vereinigung Cockpit, am 17 . 11 . 86

„Der Erfinder des menschlichen Fluges, Konstrukteur, Pilot und Fluglotse Dädalus machte auf seiner historischen Flucht von ATH (Athen) nach HER (Herakleion) noch selber aus der Luft, nach dem Prinzip von Sehen und gesehen werden, Flugsicherung’, obwohl ein zweites Flugobjekt auf gleicher Strecke war.

Sohn Ikarus hatte das Wort Separation wohl zu wörtlich genommen, und so schallte gleich auf diesem ersten Flug auch zum ersten Male in der Geschichte der bange Flugsicherungsruf durch den Äther: I-KARE, ubi es? (Ikarus, wo bist du?) Ein klarer Fall von Verstoß gegen FAA-Bauvorschriften und Performance limits, kein Flugsicherungsfehler – natürlich. Aber schon der erste Fall von Nachwuchssorgen bei der Flugsicherung.

Ingenieur Dädalus hing seine Tätigkeit als ‚Diplom-Verwaltungs-Betriebswirt’ – so heißen in der Fachterminologie die Fluglotsen – an den Nagel, wurde Verwaltungsbauingenieur und konstruierte das Labyrinth auf Kreta. Eine durchaus moderne Karriere, wie sie auch heute ablaufen könnte, betrachtet man so manchen Flughafenbau oder die Konstruktion von Flugsicherungsverfahren.

Vielleicht wird TCAS, das bordseitige Collision Avoidance System auch in der Zwischenzeit so zuverlässig arbeiten, daß man auf viele Lotsendienste verzichten kann? Flugsicherung an Bord, à la Dädalus.

Wir, die Crews brauchen jedenfalls zuverlässige Informationen, wir wollen nicht glauben, hoffen, daß wir sicher fliegen – wir wollen es wissen. Denn wir hassen es, wenn man nach uns ruft: I-KARE, ubi es?“