Der Automatenzoo ist eine phantastische Bescherung für alle Leser, die Sinn für Skurriles und Vergnügen am Modellbau haben. Hier geht es nicht um den üblichen Karton-Modellbau (da werden mehr oder weniger komplizierte Modelle von Schiffen, Flugzeugen oder Architektur zusammengeklebt), sondern um die Fortsetzung einer schon fast vergessenen Tradition der Papiermaschinen. Es gab sie bis ins frühe 20. Jahrhundert in großer Zahl mit ganz unterschiedlichen Antrieben, so zum Beispiel die Ofenbilder, Sandmaschinen und Kurbelobjekte.

Obgleich die Tradition der alten Automatenbauer bei Spooner spürbar wird, ist sein Tüftelwerk beileibe kein nostalgieschwangerer Aufguß. Die frechen cartoonistischen Illustrationen und die amüsanten Texte machen das Buch zum Lesespaß.

Die größte Lust liegt im Bau der sieben Modelle. Quasi spielerisch vollzieht der tüftelnde Bastler durch den Aufbau des Modells das raffinierte mechanische Innenleben nach, absolviert nebenbei einen höchst vergnüglichen Lehrgang in Maschinentechnik.

Beispiel Ameisenbär: Er steht vor einem Ameisenhaufen und lauert. Beginne ich zu kurbeln, so wandert eine Ameise auf einer Drehscheibe aus dem Haufen am Rüssel des Bären vorbei und wieder zurück in den Haufen. Dieser zyklische Vorgang ist Spooner noch zu wenig: durch die feine Kurvenscheibenmechanik synchronisiert, schnellt der arme Bär immer dann die Zunge heraus, wenn die Ameise gerade vorbeigeflitzt ist. So bekommt das Weiterdrehen der Kurbel seinen Sinn.

Wer nach allen Papierkonstruktionen Lust auf noch mehr Mechanik bekommen hat, findet im Londoner Cabaret Mechanical Theatre in Covent Garden über fünfzig herrlich absurde und exzentrische Kunstautomaten, die alle vom Besucher betätigt werden können. Einen Teil von diesen Londoner Wunder-Maschinen baute ... na wer wohl? Falk Keuten

  • Paul Spooner:

„Spooner’s Automatenzoo – Lächelnde Schakale, dumme Löwen, fixe Ameisenbären und anderes aus dem ‚Park der Stille“‘;

Verlag Zweitausendeins, Frankfurt; 32 S. und 16 Modell-Schnittmuster-Bögen, 25,– DM