Viele Urlauber backen ihre Ferienreise erst in letzter Minute. Sie ordern ihre Tickets bei sogenannten „Restplatzbörsen“ oder beim „Last Minute Service“ und sparen so bis zu 50 Prozent des Katalogpreises.

Das Geschäft mit den Reiserestposten ist ebenso simpel wie lukrativ. Drohen Veranstalter auf ihrer Ware sitzenzubleiben, bieten sie die freien Flugzeugplätze findigen Vermittlern an, die die Kontingente in einer Art Schlußverkauf zu Billigpreisen an den Kunden bringen. Wie es scheint, ein für alle Beteiligten gutes Geschäft: Die Veranstalter verbuchen zusätzlichen Umsatz, ohne daß ihr Name in Zusammenhang mit dem Verramschen von Reisen die Runde macht. Die Vermittler kassieren Provisionen, und der Verbraucher spart einige hundert Mark am Reisepreis.

Kein Wunder also, daß sich der neue Branchenzweig längst zu einem florierenden Geschäft entwickelt hat. „Wir schaffen die Arbeit nicht mehr“, stöhnt etwa Jörg Bachmann von der Münchner Restplatzbörse (Tel. 0 89/28 83 29). Konkurrent Horst Strohschneider vom Düsseldorfer „Last Minute Service“ (Tel. 02 11/4 21 64 36) – 1979 Trendsetter dieser Form von Ticketverwertung – bilanziert Buchungssteigerungen von 30 Prozent im abgelaufenen Jahr. Kunden seines Hauses können sich längst mittels automatischem Anrufbeantworter über die aktuellen Tiefpreisangebote informieren.

„Bei uns geht es zu wie an der Börse“, beschreibt „Last Minute“-Mann Strohschneider die Situation. „Plätze, die wir montags einkaufen, müssen spätestens am Mittwoch verkauft sein. Für eine spürbare Reduktion übernehmen wir ein hohes Risiko.“

Da läßt sich Jürgen Heyn von den Bremer Paco-Reisen (Tel. 04 21/44 41 46) mit seinen Offerten schon ein paar Tage mehr Zeit. Für Spätbucher hat Heyn den „Club der Kurzentschlossenen“ gegründet. Besonderer Clou ist dabei die Clubzeitung; sogenannte „Heiße Listen“, die alle zwei Wochen mit neuen Dumpingangeboten frisch aus dem Computer an die Mitglieder verschickt werden. Ob Mallorca oder Florida, gegen Zahlung von zwölf Mark Clubbeitrag pro Quartal nennen die Listen Preise und Hotelstandard. Lediglich über den Veranstalter, der sich hinter der Chiffrenummer der jeweiligen Reise verbirgt, schweigen sie sich aus. Den erfährt der Kurzentschlossene erst, wenn er die Koffer bereits gepackt hat.

„Die großen Unternehmen“, umreißt Heyn die Clubphilosophie, „kalkulieren auf der Basis einer Auslastung um die 70 Prozent. Alles, was jenseits dieser Grenze liegt, ist reines Geld.“

Anbieter dieser Reisen in letzter Minute finden sich mittlerweile überall im Land. Man kann mit diesen Verkäufern eines letzten freien Flugzeugsitzes über alles reden, nur nicht über ihre Umsatzzahlen.

Hanns-Bruno Kammertöns