Hoffentlich fängt 1986 nicht so an, wie das letzte Jahr aufgehört hat! Sind denn diese Fernsehredakteure nicht Manns genug, Ihnen wenigstens den gröbsten Ärger vom Leib zu halten! Aber zum Schluß hat sich ja doch alles zum Guten gewendet: Die Beichtstuhl-Szene aus „Kir Royal“ ist raus, die Unterhiltungssendung „Pink“ weg vom Fenster. Wie sagt der Herr Ministerpräsident bei Achternbusch: „Man muß auch etwas abbrennen lassen können.“

Wissen Sie eigentlich schon, was Sie mit der „Pink“-Moderatorin machen, mit Frau Lallinger? Na, Sie wissen doch, die „Jetzt lall’ i“, die eben gerade nichts gesagt hat, als Lindenberg das Christkind beleidigte?

Dabei fällt mir ein: Bernd Fischerauer, unser TV-Serien-Corbucci, den Sie damals für sein „Schafskopfrennen“ so harsch kritisierten („Ist dies das Bild, das der Bayerische Rundfunk in Deutschland vom bayerischen Menschen verbreiten möchte?“), eben dieser Fischerauer hat wieder eine Serie im Programm. Ist das möglich, Herr Stoiber? Und wenn ja, wie lange noch?

Habe mir übrigens in alter Verbundenheit vom „Gruner + Jahr“-Archiv ein Dossier über Ihre fernsehkritischen Arbeiten anfertigen lassen: offene Briefe, offene Drohungen, Bayemkurier-Kolumnen. Neuerdings geht Ihnen auch der Münchner Merkur zur Hand. Davon kann unsereiner ja nur träumen, Herr Stoiber!

Sie sind CSU-Staatskanzleiminister, aber Ihre Leidenschaft gehört den Medien. Verdanken wir es nicht Ihrem politischen Druck, unter den Sie die Jugendsendung „Live aus Alabama“ setzten, daß dort im November 85 statt über Nicaragua über Okkultismus diskutiert wurde? Einem Artikel der taz aus derselben Zeit entnehme ich, daß sich die Verantwortlichen der Sendung inzwischen zu vorauseilendem Gehorsam genötigt sahen. Sind nicht auch letztlich Sie es, der die schöne Vokabel „Gemeinschaftsverträglichkeit“ als Kriterium für eine Sendung zu einem deutschen Wort gemacht hat?

Lassen Sie mich nun zum eigentlichen Grund meines Schreibens kommen: Ich fürchte, lieber Herr Stoiber, die Satire kehrt zurück. Lassen Sie uns rechtzeitig zu Maßnahmen schreiten: ein Essen mit Stolte, ein Brief an Vöth.

Das ZDF hat am 29. Dezember (ohne eine Reaktion Ihrerseits) eine englische Satire-Serie vorgestellt. „Spitting Image“ ist inzwischen auch schon nach Amerika verkauft. Dies ist eine Serie aus dem Waffenarsenal der Opposition, die führende Politiker, ja sogar das englische Königshaus, zu Gummipuppen demontiert, die nichts als den häßlichen Kern betonen, das zweite, das geifernde Gesicht. Dabei haben die Macher „Fluck & Law“ betont, daß sie noch härter werden wollen. Soll jetzt, wer die Macht hat, auch noch die Satire ertragen müssen?