Der Marktführer IBM hat im Computergeschäft an vielen Fronten zu kämpfen

Von Gunhild Lütge

Als der junge Reporter Peter Drucker seinem Redakteur vorschlug, einen Artikel über die International Business Machines Corporation zu schreiben, war die Antwort kurz und bündig: „Nein.“ Die Begründung: „Wir sind nicht an der Geschichte eines erfolglosen Unternehmens interessiert.“ Diese Anekdote erzählt Robert Sobel fast fünfzig Jahre später in seinem jüngst erschienenen Buch „IBM und die globale Herausforderung“.

Heute hat die Firma das umgekehrte Problem. So paradox es auch klingt: Der Computerbauer ist so groß und mächtig geworden, daß er allmählich selbst darunter zu leiden beginnt. „Wie angeschlagen ist IBM?“, lautete denn auch die zentrale Frage beim jüngsten Kongreß der Diebold Deutschland GmbH, Tochter einer der größten US-Beratungsgesellschaften.

Die Zahlen aus der amerikanischen IBM-Zentrale weisen längst nicht mehr die gewohnten Wachstumsraten auf. Seit dem ersten Quartal 1985 geriet das Unternehmen mit Begriffen in die Schlagzeilen, die in der Kombination mit den drei Buchstaben bisher unvorstellbar waren: Ertragseinbruch und Absatzflaute. Von Juli bis September 1986 verdiente der Konzern 27 Prozent weniger als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Auch die Jahresbilanz wird wahrscheinlich mit einem Gewinnrückgang abschließen. Und da die Gewinne schon im vergangenen Jahr geschrumpft sind, wird Konzernchef John F. Akers dann gute Argumente brauchen.

Bisher versuchte er die geschockten Akteure in Wall Street mit der Erklärung zu beruhigen, daß die schwachen Zahlen der vergangenen Quartale das Ergebnis einer generell schlechten Konjunktur seien. Die IBM-Aktie büßte seit Ende April 1986, als sie mit 162 Dollar den höchsten Kurs aller Zeiten erreichte, bis Oktober vierzig Dollar ein und hat sich seitdem nicht mehr so recht erholt. Die schlechte Konjunktur mag eine Erklärung dafür sein. Aber auch neue Entwicklungen am Markt treffen den Marktführer derzeit an empfindlichen Stellen.

Dennoch ist es ihm gar nicht so unrecht, jedenfalls im Augenblick noch, wenn ein Konkurrent mit Erfolgen in die Schlagzeilen gerät. Jedes Unternehmen, das im Schatten des Riesen oder in einer Nische gedeiht, schützt ihn nämlich vor dem Vorwurf, den Markt total unter Kontrolle zu haben und womöglich Mißbrauch mit dieser Macht zu betreiben. Nichts fürchtet der Computerhersteller – er zählt mit rund fünfzig Milliarden Dollar Umsatz zu den größten Industrieunternehmen – mehr, als in diesen Verdacht zu geraten. Denn er brachte IBM schon häufiger vor den Kadi.