Die Veba, viele Jahre lang Umsatzspitzenreiter der deutschen Industrie und 1985 bereits auf Platz vier zurückgefallen, hat 1986 weiter an Boden verloren. Mußte sie 1985 Siemens, VW und Daimler an sich vorbeiziehen lassen, so ist sie im vergangenen Jahr auch von BASF, Bayer und Hoechst überholt worden. Mit gut vierzig Milliarden Mark Umsatz rangiert der Mischkonzern jetzt auf Platz sieben.

Ursache des erneuten Rückfalls ist in erster Linie der Zusammenbruch des Ölmarktes. Schon im November stellte Veba-Chef Rudolf v. Bennigsen bei der Vorlage des Berichts für das dritte Quartal fest: „Der drastische Preisrückgang beim Rohöl, den Mineralölprodukten und den petrochemischen Einsatzstoffen sowie der deutlich niedrigere Dollarkurs ließen den Konzernaußenumsatz um 19,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgehen.“

Am ausgeprägtesten war deshalb mit 36 Prozent der Rückgang in den ersten drei Quartalen im Mineralölbereich. Aber auch der Handel, bei dem Kohle und Mineralölprodukte stärkste Umsatzträger sind, büßte fast zwanzig Prozent ein. Auf die Ertragslage hat sich das allerdings nicht negativ ausgewirkt. Der Konzernüberschuß ist nach Steuern in den ersten drei Quartalen sogar um gut 30 auf 488 Millionen Mark gestiegen.

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Karl-Heinz Sager hat sich viel vorgenommen: Jeder Küstenbewohner weiß um die Ertragssorgen der deutschen Seeschiffahrt, da gründet der 55jährige eine neue Reederei. Kurz vor Jahresfrist ist die Senator Linie ins Bremer Handelsregister eingetragen worden. Schon im April soll das erste Schiff auf die Reise geschickt werden. Schiffekaufmann Sager, bis 1983 Vorstand bei Hapag-Lloyd, hat sein Handwerk ebenso von der Pike auf gelernt wie der zweite Geschäftsführer Hans-Gerd Gilleßen. Achim Walther ist der dritte Mann im Management der jungen Reederei.

Sie wird nicht mit eigenen Schiffen fahren, sondern Frachter chartern. Das erspart immense Einstiegskosten. Die Bremer wollen auch nicht Riesenpötte über die Meere schicken, vielmehr relativ kleine Containerschiffe. Das bringt schneller eine höhere Auslastung.

Außerdem schließen sich die Jungreeder nicht mit anderen internationalen Reedereien zu sogenannten „Konferenzen“ für bestimmte Fahrtgebiete zusammen; sie fahren alleine rund um die Welt. Der Wettbewerbsvorteil: Sie können ihre Preise und Bedingungen alleine, ohne Absprache, und deshalb praktisch tagtäglich dem Markt anpassen.