Informationen zur neuen Kurstabelle in der ZEIT

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in der Bundesrepublik ist im abgelaufenen Jahr um rund 135 Milliarden Mark gewachsen. Auch wenn der weitaus größte Teil davon auf Spar- und Terminkonten bei den Geschäftsbanken und bei Lebensversicherungsunternehmen landete, die Börse – der Markt für festverzinsliche Wertpapiere und Aktien – hat in den vergangenen Jahren als Anlage- und Emissionsmarkt stark an Bedeutung gewonnen.

Genau das ist der Grund, warum DIE ZEIT ihre Leser noch gründlicher über das Geschehen an der Börse informieren will. Auffälliges Zeichen dafür ist die neue, umfangreiche Kurstabelle, die nun regelmäßig, Woche für Woche, veröffentlicht wird. Wir wollen damit aber nicht nur über die Kursentwicklung der wichtigsten in- und ausländischen Aktien informieren, sondern zu diesen 150 Werten auch Entscheidungshilfen bei der Auswahl liefern, denn vor jedem Kauf oder Verkauf einer Aktie sollten Anleger das sie interessierende Papier auch beurteilen können. Die Qualität einer Aktie hängt nicht vom Börsenkurs ab, sondern wird anhand allgemein üblicher Bewertungskriterien gemessen. Das sind in erster Linie das sogenannte Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) und die Dividendenrendite. Beide Kennzahlen sind in der neuen Tabelle enthalten.

Der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung (DVFA) ist es zu verdanken, daß die Aktienanalysten heute eine einheitliche Methode zur Hand haben, wenn sie ein an der Börse notiertes Unternehmen unter die Lupe nehmen. Der nach einer komplizierten Formel (der sogenannten DVFA-Formel) ermittelte Gewinn pro Aktie eines Unternehmens wird dem aktuellen Börsenkurs gegenübergestellt, genauer, der Kurs wird durch den geschätzten Gewinn pro Aktie dividiert. Die daraus resultierende Verhältniszahl ist das KGV. Es gibt an, mit dem Wievielfachen des Jahresgewinns die Aktie eines Unternehmens an der Börse bewertet wird. Mit anderen Worten: Vorausgesetzt, der Gewinn pro Aktie bliebe konstant, dann zeigt das KGV, wie viele Jahre es dauert, bis das Unternehmen den aktuellen Börsenkurs „verdient“ hat. Mit diesem KGV können dann verschiedene Unternehmen derselben Branche verglichen werden. Anleger können auf einen Blick sehen, ob eine Gesellschaft an der Börse analytisch „billig“ oder „teuer“ im Vergleich zu den übrigen Dividendenpapieren der Branche bewertet wird.

Die ZEIT-Tabelle zeigt zum Beispiel, daß Volkswagen mit einem KGV von 9,5 „preiswerter“ ist als zum Beispiel Daimler-Benz und BMW mit KGV von rund 15 und 10. Dem Anleger ist es dann überlassen, ob er diese „Preisunterschiede“ für gerechtfertigt hält oder ob er sich doch lieber eine „teurere“ Daimler als eine „billigere“ VW kaufen will.

Das zweite für den Aktionär wichtige Entscheidungskriterium ist die Dividendenrendite. Diese Kennzahl gibt an, wie hoch der Dividendenertrag für den Anleger beim aktuellen Kurs ist. Er kann diese Rendite zum Beispiel mit der festverzinslicher Wertpapiere vergleichen, wobei allerdings berücksichtigt werden muß, daß hier die Dividendenrendite ohne Steuergutschrift – also praktisch nach Steuern – mit der Rentenrendite vor Steuern verglichen wird. Dieser Vergleich ist also nicht ganz korrekt. Vor allem vorsichtige Anleger haben bei einer hohen Dividendenrendite jedoch die Gewißheit, daß der Ertrag aus ihrer Aktienanlage auch ohne Kurssteigerungen stimmt, was für viele erade in unsicheren Börsenzeiten sicherlich ein beruhigendes Gefühl ist.

Für die Freunde festverzinslicher Wertpapiere ist es leider keine Seltenheit, daß sie den nach einem gründlichen Studium der seitenlangen Kurstabellen in den Tageszeitungen favorisierten Titel nicht kaufen können, weil das Angebot am Markt fehlt. Gerade die eine Anleihe oder ein bestimmter Pfandbrief ist einfach nicht zu bekommen. Mit der neuen ZEIT-Tabelle haben Anleger es künftig leichter. Sie zeigt einmal, welche Renditen die vielen unterschiedlichen Papiere im Schnitt bringen. Auf einen Blick ist zu sehen, was zum Beispiel Bundesanleihen, Pfandbriefe oder Auslandsanleihen zu bieten haben und welchen Ertrag auf ausländische Währungen lautende Papiere bringen. Anleger können also je nach der von ihnen gewünschten Laufzeit der festverzinslichen Wertpapiere die für sie interessanteste Anleiheart auswählen. Und wer bei einer Bank nach solchen Papieren fragt, kann durch einen einfachen Vergleich mit den durchschnittlichen Renditen leicht feststellen, ob das Angebot seines Instituts günstig ist oder nicht.