Hamburg

Die Mühlen der Behörden mahlen bekanntlich langsam, um so mehr, wenn es um die Gleichberechtigung der Frau geht. Seit einigen Jahren aber scheint eine frische Brise die trägen Behördenflügel zu bewegen: Sie kommt aus einem kleinen Büro mit großen Forderungen, der Leitstelle zur Gleichstellung der Frau. So jedenfalls war es geplant.

„Wir sind die Lobby der Frauen“, beschreibt Eva Rühmkorf ihre Aufgabe. Sie hat vor acht Jahren in der Hansestadt Hamburg die Leitung der neuen Leitstelle angetreten, die eine Dienststelle der Senatskanzlei ist. Mit ihren sechs Mitarbeiterinnen versucht Eva Rühmkorf in Hamburg zu verwirklichen, was das Grundgesetz verspricht: die Chancengleichheit für Mann und Frau. Eines der Aufgabengebiete der Leitstelle ist die Förderung der „Frau im öffentlichen Dienst“.

Am 1. 1. 1984 war in Hamburg eine Richtlinie in Kraft getreten, die von den Behörden eine Förderung in jenen Bereichen verlangt, wo Frauen bisher benachteiligt oder unterrepräsentiert sind. Die Richtlinie, die aus dreizehn Punkten besteht, geht zurück auf ein von der Leitstelle erarbeitetes Frauenförderungsprogramm. „Wir wollen an dem Tabu rütteln, daß im öffentlichen Dienst alles so vorbildlich ist“, erklärt Eva Rühmkorf. „Was wir in diesem Bereich machen, ist interne Öffentlichkeitsarbeit.“ Alle zwei Jahre, so verlangt es die Richtlinie, müssen die Hamburger Behörden dem Senat darüber Rechenschaft ablegen, wie es um die Gleichberechtigung in Hamburg steht.

Nun liegt der erste Erfahrungsbericht vor, der die Zeitspanne vom 1. 1. 1983 bis zum 30. 9. 1985 umfaßt. Es ist keine Glanzbroschüre – in keinem Sinne. Auf 65 Seiten Umweltschutzpapier wird Punkt für Punkt verglichen, was die Richtlinien vorschlagen und was die jeweiligen Behörden zu ihrer Durchführung getan haben. Tabellen sollen die Fortschritte im öffentlichen Dienst aufzeigen. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

„Viele Behörden bedauern ausdrücklich...“ und „Die Vorgabe der Richtlinie ist erst in Ansätzen verwirklicht“ oder „Die Richtlinie stößt nicht überall auf Verständnis“ – solche Sätze sind unter nahezu jedem Punkt der Richtlinie zu finden.

Nur wenige Lichtblicke gibt es in der Bilanz: „Besonders hervorzuheben ist die Behörde für Arbeit, Jugend und Soziales, in der das von einer Frau geleitete Amt für Jugend zwei von vier Abteilungsleiterstellen inzwischen mit Frauen besetzt hat“, heißt es im Erfahrungsbericht. Im Gespräch mit einer der beiden Abteilungsleiterinnen stellt sich jedoch heraus, daß ihre Einstellung nur wenig mit der Richtlinie zu tun hatte. „Ohne die Richtlinie wären wir beide auch Abteilungsleiter geworden. Wir sind einfach höher qualifiziert“, sagt Wilma Simon. „Dennoch“, und da nimmt sie die Bemühungen der Leitstelle in Schutz, „spürt man hier, daß alle die Richtlinie im Kopf haben.“