ZEIT: Frau Hamacher, weibliche Angestellte dürfen nachts arbeiten. Warum wehren sich die Gewerkschaften so energisch gegen die Aufhebung des Nachtarbeitsverbots für Arbeiterinnen?

Hamacher: Wir sind der Meinung, daß Nachtarbeit eine unsoziale Arbeitszeit ist, daß sie gesundheitsschädigend ist und eigentlich auf das Maß zurückgeführt werden müßte, das für die Versorgung der Bevölkerung zwingend notwendig ist.

ZEIT: Diese Argumentation müßte doch gleichermaßen für die Angestellten gelten.

Hamacher: Deshalb fordern wir, daß Nachtarbeit generell für Arbeiter wie für Angestellte auf ein Minimum beschränkt wird.

ZEIT: Die FDP sagt, Schutzbestimmungen dieser Art helfen nur denen, die im Arbeitsprozeß stehen. Müßte die Gewerkschaft nicht im Interesse der Arbeitslosen bestimmte Belastungen für die Beschäftigten akzeptieren, wenn dadurch neue Arbeitsplätze geschaffen werden?

Hamacher: Wir sind nicht der Meinung, daß durch die Aufhebung besonderer Arbeitsschutzbestimmungen für bestimmte Gruppen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das zeigen im übrigen auch die Erfahrungen im Bereich der Angestellten, wo Frauen und Männer gleichgestellt sind. Zum Beispiel sind in zentralen Datenverarbeitungen von Großbetrieben, die zumeist rund um die Uhr arbeiten, eben keine zusätzlichen Arbeitsplätze für weibliche Angestellte entstanden.

ZEIT: Spielt vermehrte Nachtarbeit im Zuge der Flexibilisierung der Arbeitszeit und der Ausweitung der Betriebszeiten auch eine Rolle bei den Tarifverhandlungen dieses Jahres?