Alles oder Nichts: Beobachtungen bei einer Quizsendung

Von Raimund Hoghe

Das Nichts bei "Alles oder Nichts" sei ja auch mehr als nichts, meint Max Schautzer in der Halle eines Hamburger Hotels. "Es heißt zwar .Alles oder nichts’, aber man kann nicht sagen, daß das Nichts nichts ist. Es ist doch für die Leute ein Erlebnis, daß sie in ein Fernsehstudio kommen und mit ihren Idolen zusammen sind", sagt er einen Tag vor der 54. Sendung, die er als Quizmaster zu leiten hat. Prüfstein diesmal: Zarah Leander, 1907-1981. Susanne Fritz, eine 18jährige Schülerin aus Filderstadt bei Stuttgart, und Hans von Specht, 48 Jahre, früher Journalist, heute Gastwirt in Fulda, haben sich qualifiziert, Telephontest und Vortest in München erfolgreich bestanden. "Fulda steht kopf", vermutet "Alles-oder-Nichts"-Regisseur Gerrit Neuhaus. "In einer Provinzstadt ist es noch ein Ereignis", bestätigt Hans von Specht und berichtet, daß er noch kurz vor der Abreise ein Rundfunkinterview habe geben müssen. "Ist schon ein Spießrutenlaufen – ich bin der erste Kandidat aus Osthessen."

Im schwäbischen Filderstadt war es für Susanne Fritz nicht anders. "In der Zeitung stand es. Alle Schüler und Lehrer haben es erfahren. Sie fanden es ganz toll und haben mir viel Glück gewünscht", berichtet die mit Cousine Monique angereiste Schülerin der 12. Klasse und strahlt alle Befangenheit weg. Dabei habe sie gar nicht mitmachen wollen. "Mein jüngerer Bruder hat mich überredet. Ich hatte nicht unbedingt Lust, mich zu bewerben, und die Sendung vorher nie gesehen – aber inzwischen finde ich es fein und hätte es bereut, wenn ich nicht mitgemacht hätte", sagt sie beim Treffen in der Hotelhalle, zu dem neben Max Schautzer und Regisseur Neuhaus auch "Alles-oder-Nichts"-Redakteure aus Hamburg, München, Wien erschienen sind.

"Die Fragen, die man beantworten kann, sind leicht, die, die man nicht beantworten kann, sind schwer." Wie schon beim Vortest in München weiß Max Schautzer auch jetzt wieder nervöse Kandidaten zu beruhigen; "Niemand kann alles wissen – ist auch Glückssache", bemerkt er sanft und rät den noch mit ihren Koffern dasitzenden Zarah-Leander-Fans, vor der Kamera "einfach natürlich" zu sein: "Freuen, wenn man sich freut; ärgern, wenn man sich ärgert."

Der Regisseur will wissen, was die beiden Kandidaten in der Sendung tragen wollen. Eine "Satinbluse in Rosa" hat Susanne Fritz vorgesehen, einen "dunklen Blazer" Hans von Specht. Die für die Sendung zuständigen Damen und Herren sind mit den Farben zufrieden. Hans von Specht erinnert sich an eine Situation aus der Schulzeit und fragt: "Wodurch entsteht ein Blackout?" Die Redakteure können dem beim Vortest allen anderen Bewerbern überlegenen Besitzer einer Künstlerkneipe mit dem Hinweis dienen, daß in der 20jährigen "Alles-oder-Nichts"-Geschichte höchst selten ein Kandidat den gefürchteten Blackout gehabt habe. Eine der Ausnahmen: eine 81jährige Märchenexpertin, die bislang älteste Quizteilnehmerin. "Sie war durch die Verwandten etwas verunsichert", erinnert sich eine Redakteurin und sagt: "Wenn einer denkt: ‚Ich muß mich beweisen‘ – in dem Moment ist es aus."

Ans Händchen genommen