Während schon der Wahlkampf die Wähler ziemlich kalt gelassen hat, führte der Wintereinbruch zu einer geradezu dramatischen Abkühlung des politischen Klimas in der Bundesrepublik. Man kann eher von einer neuen Eiszeit als von einer „heißen Phase“ sprechen.

Den Auftakt machte Heiner Geißler, indem er der SPD unterstellte, sie hätte es vorgezogen, wenn der ganze Neue-Heimat-Komplex samt Ausschuß unter den Schneemassen begraben läge, worauf Glotz, dem es dabei kalt über den Rücken lief, der Union vorwarf, sie wolle das Arbeitslosen-Problem auf Eis legen und habe geplant, die zwei Millionen Arbeitslosen durch Zwangsschneeräumungsarbeiten von der Straße zu holen, inzwischen aber kalte Füße bekommen.

Dies wiederum veranlaßte Zimmermann zu der Beschuldigung, die Opposition habe alle Winter-Abwehrgesetze sträflich im Schnee verlaufen lassen und damit unsere innere Wetter-Sicherheit, sabotiert. Ein Sprecher der Grünen warnte davor, den vermutlich verstrahlten Schnee auf die leichte Schulter zu nehmen; ferner warf der Grüne Wallmann vor, den Wählern nicht das Weiße, sondern das Blaue vom Himmel versprochen zu haben.

Nun griff Stoiber in die Debatte ein, indem er eiskalt die Schuld für das abnorme Winterwetter den rotgrünen Panikmenschen im NDR zuschob und mit dem Ausstieg Bayerns aus der abendlichen ARD-Wetterkarte drohte.

Als sich Kohl wieder einen Ausrutscher leistete, indem er die DDR als ein einziges Sibirien ohne jede Wärme bezeichnete, verstieg sich Brandt zu der Forderung: „Der Kohl muß vom Eis!“, wobei er auf den Zusammenhang zwischen dieser Kaltfront und der unverfrorenen Rückkehr zur Sprache des Kalten Krieges verwies, die zu einer Vereisung der Entspannungspolitik führe.

Darauf zeigte sich Genscher bemüßigt, solchen Tendenzen die kalte Schulter zu zeigen und ihnen eine eiskalte Abfuhr zu erteilen, denn hier gehe man auf „sehr dünnem Eis“; er setze weiterhin auf Tauwetter. Damit hatte er die Frustgrenze von Strauß überschritten, der nun heftig gegen die Ostpolitik Genschers – „Schnee von gestern“ – wetterte und forderte, sich endgültig von der Schneelast des Hitler-Reiches zu befreien und eine souveräne Winterpolitik zu betreiben.

Da ließ es sich Bangemann nicht nehmen, für Strauß den Posten eines Außenschneebeauftragten im nächsten Kabinett zu fordern, falls er nicht alle Hände voll mit dem Schneeräumer-Export in den Nahen Osten zu tun habe – eine Anspielung auf den jüngsten Coup des bayerischen Regierungschef-Lobbyisten Strauß, dem es tatsächlich gelang, den Saudis die Pläne für ein Unterschnee-Boot mit besonderer Schneewüsteneignung anzudrehen.