Helmut Kohl hält es wie alle Kanzler vor ihm: Kurz vor den Wahlen muß man sich vor der Bundespressekonferenz im Tulpenfeld zeigen, damit keiner vergißt, wer wirklich regiert. Diesmal lag ihm vor allem am Herzen, alle Zweifel auszuräumen, die Politik, vor allem gegenüber der DDR, werde nicht kontinuierlich fortgesetzt.

Er hatte eine Menge zu sagen, aber dennoch stand eigentlich alles auch schon vorher fest. Weil das so ist, erübrigen sich letztlich Fragen. Helmut Kohl duldete sie, aber es fiel ihm schwer. Muß nicht der Eindruck der "Doppelzüngigkeit" entstehen, wollte ein Journalist wissen, wenn er hier in Bonn für Kontinuität plädiere, aber im Wahlkampf gar nicht moderat von Konzentrationslagern in der DDR spreche? Kohl, barsch: "Ich spreche hier nicht anders als in Wahlversammlungen. Ich hab’ da keine Probleme, doppelzüngig bin ich überhaupt nicht." Klar?

Würde er den Vergleich mit dem KZ wiederholen, beharrte ein Frager. "Ich denke nicht daran, diese Debatte wieder aufzunehmen." Das vermied er also, aber dann holte Kohl aus: Die Generation der Großeltern werde von den Jüngeren heute doch auch gefragt, warum sie "damals" geschwiegen habe, so müsse man eben jetzt über Menschenrechte in der DDR reden – und schon hatte er einen neuen Vergleich zwischen der DDR und den Hitler-Jahren gezogen.

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Was hat der Kanzler zur Kritik, aus Israel an den nationalistischen Tönen im Wahlkampf zu sagen? Also, die Fragerin hat Mut! "Ich weiß nicht, was Sie mit Ihrer Pauschalfrage meinen, ich kenne keine nationalistischen Töne, jedenfalls nicht von mir und von Seiten meiner Partei." Redet er hier im Saal anders als draußen, denn Israels Botschafter in Bonn habe doch diese neuen Töne beklagt, wollte die Fragerin wissen. Kohl: "Ich trete ein für Freundschaft mit Israel... ich kann auch keine Wahlkampfrhetorik erkennen." Er habe nie den Eindruck einer "verschiedenen Semantik" gehabt.

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Wird die restriktive Waffenexportpolitik allmählich beendet? "Ich kann die Frage überhaupt nicht begreifen ..." Hat er einmal die Wiedervereinigung als Aufgabe für die heutige, junge Generation bezeichnet, dann wieder als Auftrag für eine ferne Zukunft, irgendwann? Auch der Kollege, der sich schon ungewohnte Zurückhaltung beim Fragen auferlegte und voller List nur die FAZ zitierte, blitzte ab beim Kanzler: "Sie haben ja, wenn ich mich nicht sehr täusche, in den letzten Tagen mindestens drei Wahlreden von mir gehört..." Also wenn der betreffende Kollege, den der Kanzler so genau unter Kontrolle hat, im Wahlkampf die Augen zu- und die Ohren aufgesperrt hätte, da würde sich doch seine lästige Frage in Bonn erübrigen, oder?