Die Entdeckung der neuen Welt war noch in ziemlich frischer Erinnerung, als man die Frage aufzuwerfen begann, ob diese Entdeckung Europa wirklich zu so großem Nutzen gereichte, als man Anfangs erachtet hatte?“ So gemessen hebt eine „Geschichte von Paraguay und den Missionen der Gesellschaft Jesu in diesen Ländern“ des P. Franciscus de Charlevoix (Wien 1830) an. Der Verfasser, ein „weiland Priester der Gesellschaft Jesu“, fährt fort: „Dieser Frage aber folgte bald eine andere über die Gerechtigkeit des Eroberungsrechtes, kraft dessen man diese Völker unterjocht hatte, die seit so vielen Jahrhunderten im Besitz ihrer Freiheit gewesen waren ...“

Die Freiheit raubte den Völkern der neuen Welt die Goldgier der Europäer. Was Cortés, Pizarro und ihre Nachfolger angerichtet hatten, versuchten die Jesuiten mit ihrem Gottesstaat wenigstens teilweise wieder gutzumachen. In Paraguay sollte eine frühchristliche Gemeinde entstehen, in der das Privateigentum aufgehoben war und die Indios zur höheren Ehre der katholischen Kirche, aber jedenfalls auf eigene Rechnung arbeiteten. Bald gerieten die geistlichen Soldaten des Papstes mit ihrem frühkommunistischen Gemeinwesen zwischen die Kolonialinteressen der katholischen Majestäten von Spanien und Portugal. In der Mitte des 18. Jahrhunderts mußten sie ihr heiliges Experiment auf römisches Geheiß abbrechen.

Ein Stoff fürs Kino? Wohl kaum, es sei denn, der Regisseur hieße Roland Joffé. Unter dem Vorwand eines politischen Films hat er „Killing Fields“ in großes Emotionskino verwandelt; das schreiende Unrecht, das in Kambodscha geschah, tritt hinter die Bilder zurück. Roland Joffe wäre auch der einzige in der gegenwärtigen englischen Filmindustrie, von dem eine Fortsetzung der Tradition opulenter Nachkriegsfilme wie „Die Brücke am Kwai“ oder „Ryans Tochter“ zu erwarten wäre, weil er noch (oder wieder) auf die Kraft, der großen Bilder vertraut. Oder wie es der Produzent David Puttnam formuliert: „Roland (Joffe) weiß, wie man die Leute dazu bringt, sich auch im strömenden Regen um Karten anzustellen.“

Für „Mission“ hat der Drehbuchautor Robert Bolt das dürre und denkbar gegenwartsferne Thema auf zwei Kontrahenten und auf zwei der besten Schauspieler zugespitzt: den Jesuitenpater Gabriel (Jeremy Irons) und den Sklavenjäger Mendoza (Robert de Niro). Sie tragen zwischen sich den Konflikt um eine rein spirituelle oder eine irdische Befreiungstheologie aus, um am Ende beide zu scheitern.

Stärker noch als die Geschichte der feindlichen Brüder wirkt die Naturgewalt der Wasserfälle von Iguazu. Fünfmal wird im Film diese Hürde bezwungen; sie gliedert die Handlung in Akte, die notwendig in die Katastrophe führen. Für den ersten Missionar, den die Guaraní an ein Kreuz binden und über die Katarakte zurückschicken, kommt Pater Gabriel, der die Wilden mit seinem Flötenspiel beeindruckt. Seine Missionstätigkeit wird durch Rodrigo Mendoza gestört. In Asunción, wo er die gefangenen Indios verkauft, tötet er im Streit um eine Frau (die einzige in diesem Film) seinen eigenen Bruder. Mendoza fühlt sich verdammt und erbittet den Beistand Gabriels.

Über Nacht wird Mendoza zum Paulus bekehrt: Mit einem schweren Sack, der seinen Panzer und die Waffen enthält, schleppt er sich die Fälle entlang ins Jesuitenland, als sei er auf dem Weg nach Golgatha. De Niro spielt den durch sein Damaskuserlebnis plötzlich fromm gewordenen Mendoza, als wollte er sich selbst parodieren. Wie Christus sieht er schon aus, als er bei seinen früheren Opfern ankommt, und dann möchte er auch noch Jesuit werden. Rodrigo Mendoza dreht de Niro die Luft ab.

Die Freundschaft der beiden Patres hatte noch kaum Zeit, sich zu entwickeln, da trifft ein päpstlicher Legat ein, dem die Werkstätten und ihre zivilisierten Betreiber, alles getaufte Ureinwohner, vorgeführt werden. Am Beschluß des Heiligen Stuhls kann diese Tour durch einen „Garten Eden“, als den ihn Kardinal Altamirano (Ray McAnally) empfindet, jedoch auch nichts mehr ändern: die Kolonien sollen aufgelöst, die Anlagen zerstört und die in jahrelanger Arbeit durch den katholischen Glauben veredelten Wilden in den Dschungel zurückgeschickt werden. Mendoza entscheidet sich an diesem Punkt, seinem früheren Leben getreu, für die bewaffnete Verteidigung, Gabriel will den angreifenden Spaniern mit der Monstranz und der Überzeugungskraft passiven Widerstands entgegentreten.