Von Hans-Jörgen Krupp

Herbert Giersch hat sein neues Buch „Gegen Europessimismus“ genannt. Von diesem Titel darf man sich nicht täuschen lassen. Auch in diesem Band wird der Autor seinem Ruf gerecht, ein sklerotisch gewordenes Europa zu mahnen. Die Frage, ob Giersch nun mehr zur Verbreitung des Europessimismus beiträgt als zu seiner Bekämpfung, ist auch nach der Lektüre dieses Buches schwer zu beantworten.

Herbert Giersch: Gegen Europessimismus, Weltwirtschaftliche Perspektiven. Hrsg. von Karl Heinz Frank, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, 1986; 320 Seiten, 38 ,– DM.

Der Band mit dem Untertitel „Kritische Beiträge 1977 bis 1985“ ist eine Sammlung von Vorträgen und zumeist allgemein verständlich gehaltenen Aufsätzen, die in den Jahren von 1977 bis 1984 entstanden sind. Ein Beitrag stammt aus dem Jahre 1985. Das Buch enthält zahlreiche Überschneidungen, ja stellenweise denselben Text zweifach. Der Band ist breit angelegt und in fünf große Abschnitte aufgeteilt:

  • Trieb- und Bremskräfte der wirtschaftlichen Entwicklung,
  • Weltwirtschaftliche Perspektiven,
  • Europa: Zwänge und Chancen,
  • Europa: Die Malaise der Arbeitslosigkeit,
  • Gegen Europessimismus.

In dem letzten Abschnitt finden sich allerdings nur zwei kurze Beiträge, die sich mit dem Zeitgeist der Rückwärtsbesinnung auseinandersetzen.

An einem kann kein Zweifel bestehen: Herbert Giersch will überzeugen. Er nimmt Vereinfachungen und Überspitzungen in Kauf, wenn sie es dem Leser erleichtern, seine Sicht der Dinge anzunehmen. Er stellt den Teil der empirischen Tatbestände heraus, die seine Position unterstützen. Er zitiert in der für ihn zentralen Frage von Lohnhöhe und Beschäftigung die wenigen – in Kiel – erstellten Studien, die einen solchen Zusammenhang empirisch zu finden behaupten. Der Leser erfährt nicht, daß es eine Vielzahl von Studien gibt, die zu dem Ergebnis führen, daß dieser Zusammenhang nicht nachweisbar oder eher lose ist.