Berlin

Das private Fernsehen versucht, sich von den Fesseln des Kabels zu befreien. Gegenwärtig verzeichnen die Bundesländer einen Sturm auf die TV-Kanäle für drahtlose Verbreitung, für die – im Gegensatz zum Empfang der Programme des direktsendenden Satelliten-TV – keine aufwendigen Empfangsanlagen mit Parabolspiegel erforderlich sind. Sie lassen sich in der Regel mit denselben Dachantennen empfangen wie die Programme von ARD und ZDF und ermöglichen folglich eine schlagartige Anhebung der Zuschauerzahlen.

Bei der bundesweiten Suche nach drahtloser Verbreitungsmöglichkeit für das Privatfernsehen wurde die Post auch in Berlin fündig. Probleme ergaben sich allerdings, als die in Berlin und Bonn regierenden Christdemokraten auf die Idee kamen, den amerikanisch kontrollierten Hörfunksender RIAS auch Fernsehen ausstrahlen zu lassen. Prompt verweigerte die DDR ihre notwendige Zustimmung für die Frequenznutzung.

Dann kam Berlin aber doch noch zu einem drahtlosen Fernsehkanal – dank einer schon 1961 mit der DDR koordinierten Richtfunkverbindung. Für den Fernsehkanal 25 erhielt zunächst das RIAS-Fernsehen den Zuschlag für vier Sendestunden über den Tag verteilt. Daneben soll auch noch Platz sein für ein „lokales Fenster“. Für das Hauptprogramm ließ man sich Offerten kommen, welcher Privatsender die Lizenzerteilung mit dem größtmöglichen Ausmaß medienwirtschaftlicher Betätigung in Berlin zu vergelten gedenke.

Im Dezember entschied sich das Aufsichtsgremium über den Privatfunk, der Kabelrat, für die Mainzer Privatfunker von SAT 1. Deren Zusagenkatalog ließ die Stadtväter im Standortwettbewerb mit den Medienstädten München und Hamburg wieder neu hoffen. Denn neben dem Stammsitz in Mainz und der Produktionsstätte Hamburg für das Nachrichtenprogramm „Blick“ soll Berlin „ausschließlicher Produktionsort“ von SAT 1-Produktionen werden.

Nun stammt das SAT 1-Programm bekanntlich zu rund 70 Prozent aus dem Filmstock von Leo Kirch. Damit die Zusage keine fakultative Größe bleibt, wurde festgelegt, daß „1987 eine Wertschöpfung von mindestens 32,4 Millionen Mark oder mindestens 34 Prozent der disponiblen SAT 1-Mittel für das überregionale Programm in Berlin“ erzielt werden. Auch die Wertschöpfung der Folgejahre soll sich „in vergleichbaren Anteilen halten“.

Zu diesem Zweck wird SAT 1 „einen weiteren Sitz in Berlin“ errichten „mit dem Schwerpunkt Produktion und Auftragsvergabe“, ferner eine ‚SAT 1-Produktions-GmbH als einzige derartige Gesellschaft in Berlin“ und obendrein sagten die Mainzer zu, sich an einer weiteren regionalen Produktionsgesellschaft „mit einem Anteil von bis zu 51 Prozent“ zu beteiligen, vergleichbar den Dienstleistungen von Bavaria oder Studio Hamburg, offen also auch für Produktionen des RIASTV. SAT 1 hat hierfür „ein Produktionsvolumen von 20 Millionen Mark jährlich garantiert“. An den auf 8 Millionen Mark geschätzten Kosten des „regionalen Fensters“, dessen Veranstalter noch nicht feststeht, will sich SAT 1 „mit mindestens 51 Prozent“ beteiligen.