Ferdinand von Senger und Etterlin, einer der international hoch angesehenen Generäle in jüngerer Zeit, ist kaum drei Jahre nach seinem Abschied aus dem Militärdienst am vergangenen Samstag an Herzversagen gestorben. Er wurde 63 Jahre alt. Hinter ihm liegt eine glänzende Offizierskarriere in der Bundeswehr. Der krönende Abschluß seines Dienstes war in den Jahren von 1979 bis 1983 das Amt des Oberbefehlshabers der Nato-Streitkräfte in Europa-Mitte. Es ist die höchste und wichtigste Position, die ein deutscher Militär in der operativen Führung von Streitkräften des westlichen Bündnisses einnehmen kann.

In seinem Hauptquartier in Brunssum (Niederlande) konnte er seine Autorität auf eine bemerkenswerte Breite der Erfahrungen stützen: einstiger Truppenführer von der Brigade bis zum Corps, ideenreicher Offizier der Panzertruppe und militärischer Planer. Überdies war es in ihm angelegt, und das machte seinen Ruf aus, sich in den Denkkategorien der modernen Strategievorstellung zu bewegen. Senger besaß gedankliches Einfühlungsvermögen in politische Konstellationen und die Balance der militärischen Macht. So war er, worauf es in den internationalen Kommandopositionen der Allianz immer besonders ankommt, weder ein Nur-Militär noch ein politisierender General.

Senger stammt aus einer Offiziersfamilie. Sein Vater, Frido von Senger und Etterlin, war Panzergeneral im Zweiten Weltkrieg. Er selbst war zu jener Zeit junger Offizier der Panzertruppe; er verlor einen Arm. Nach dem Kriege studierte er Jura (zwei Staatsexamen und Promotion), wurde Beamter und ging dann 1956 zur Bundeswehr.

Der Privatmann Senger, und dies entspricht ja durchaus nicht der üblichen Vorstellung von einem General, besaß viele sympathische Neigungen. Wann je umgab sich ein Oberbefehlshaber in seinem Dienstzimmer mit so ausgewählten antiken Möbeln aus dem persönlichen Besitz? Er war ein kenntnisreicher Liebhaber der Malerei. Er schien immer die Vereinbarkeit zwischen alten Bildungsidealen und modernen Pflichtbegriffen anzustreben. Senger war eine große Persönlichkeit. K. B.