Gestiegen ist im letzten Jahr die Zahl der Deutschen, die eine Stippvisite nach Hamburg machten. Einer der Gründe für dieses Pius – die Musicalattraktion „Cats“.

Über 300 000 Besucher haben mittlerweile das seit 18. April 1986 laufende Spiel um die Katz’ gesehen. An Silvester tollten die Cats zum 300. Mal über die Müllkippenbühne. Die happigen Kosten von 8,5 Millionen Mark waren zu Jahresende eingespielt. Von jetzt an wird verdient. Bereits bis zum Mai 1988 liegen Kartenbestellungen vor.

50 bis 75 Prozent der Besucher kamen von auswärts zu St. Paulis Operettenhaus angereist, um Old Deuteronomy und Rum Rum Tugger zu erleben. 400 bis 500 Busreiseveranstalter bieten „Cats“-Touren an, mit einer, oft sogar zwei Übernachtungen in der Hansestadt. Eingeschlossen in diese Arrangements ist häufig auch ein Hamburgprogramm mit Hafen- und Stadtrundfahrt, Ausflug etwa ins Alte Land oder mit sonntagmorgendlichem Bummel über den Fischmarkt.

Mit etwa 1000 Reisebüros arbeitet das Operettenhaus zusammen, um aus allen Winkeln der Republik die Besucher zu den Katzen und nach Hamburg zu locken. Vornehmlich aus dem Hamburger Umland, aus Kiel, aus Bremen kamen die „Cats“-Fans, aber auch aus dem Ruhrgebiet. Selbst aus München und Passau machten sich Katzenfreunde auf den Weg in den unbekannten Norden und nicht ins nähere Wien, wo die „Cats“ schon seit Jahren toben.

Von 200 000 Prospekten und von 8000 Plakaten funkelten im letzten Jahr die gelben Katzenaugen auf schwarzem Grund unter anderem in Deutschlands Bahnhöfen – die Deutsche Bundesbahn bot eine Städtetour zum Musical an der Elbe an. Das Arrangement wurde mit Bahnfahrt, Eintrittskarten (1. oder 2. Kategorie für 100 beziehungsweise 80 Mark) und mit ein, zwei oder drei Übernachtungen verkauft. Seit Juli buchten 5500 Personen die Katzentour. Die meisten reisten aus dem Ruhrgebiet an und aus der Region Rhein/Main, ebenfalls sehr noch lag der Anteil der Musicalfans aus dem Süden, die auf diese Art gleich die Hansestadt kennenlernen wollten.

Auch einigen Schweizern war das Musical eine Reise an die Alster wert, acht Schweizer Reisebüros brachten ihre Kunden zum Operettenhaus. Schweden nutzten ebenfalls das Katzenspektakel für eine Stippvisite in der Hansestadt.

Um 8,5 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres gestiegen ist in den Monaten Januar bis Oktober 1986 die Zahl der Gäste aus dem eigenen Land, die in Hamburg Station machten. Von 1984 auf 1985 war der jährliche Zuwachs nur klägliche 0,9 Prozent gewesen. Insgesamt verzeichnet die Ankunftsstatistik – trotz der amerikanischen Abstinenz (minus 31 Prozent) – bis Oktober noch ein Plus von 4,2 Prozent. Das Ausbleiben der US-Touristen konnte durch die vermehrte inländische Nachfrage wettgemacht werden, ein Ergebnis, das Otto Hiebl, Geschäftsführer der Hamburg-Information, eindeutig auch auf das Katzengeschäft zurückführt.