Müden Reisenden, die des Nachts noch in einem Hotel oder Motel unterkommen wollen, kann es neuerdings passieren, daß sie – statt von einem schläfrigen Nachtportier – von einem surrenden Automaten empfangen werden. Der kanadische Hotelier Sam Conan nämlich war der ständigen nächtlichen Störungen überdrüssig geworden und hat deshalb den automatischen „Night Clerk“ erfunden.

Es handelt sich bei diesem elektronischen Gesellen keineswegs um einen Roboter; den Geldautomaten in einer Bank ähnlich, funktioniert er folgendermaßen: Der zimmersuchende Gast füttert den „Night Clerk“ mit seiner Kreditkarte (alle gängigen Marken) und gibt ein, ob er beispielsweise in einem Einzel- oder Doppelbett zu nächtigen wünscht.

Der Automat überprüft dann erst einmal die Kreditwürdigkeit des Kunden, bevor er den Zimmerschlüssel ausspuckt. Während der Gast sich, den Schlüssel in der Hand, auf die Suche nach seinem Zimmer begibt, wird im Hotelbüro der Beleg für den Check-out am nächsten Morgen ausgedruckt. Allerdings bleibt der elektronische Nachtportier unerbittlich, sollte einer nur mit Bargeld einen Schlüssel ergattern wollen.

Der 9000 Dollar teure Automat checkt den Gast wesentlich schneller ein als sein Kollege aus Fleisch und Blut; in nicht einmal einer Minute hat er den Zimmerschlüssel „ausgehändigt“. Sind alle Zimmer des Hauses belegt, so schaltet der elektronische „Night Clerk“ automatisch auf „no vacancy“.

Erfinder Sam Conkin wollte bis Ende des vergangenen Jahres bereits an die 500 Schlüsselautomaten an Hotels in den USA ausgeliefert haben; der erste wurde im „Fenwick Isländer Hotel“ in Fenwick Island/Delaware installiert. Obwohl diese Art von unpersönlichem Kundendienst bei einigen Gästen des Hauses auf Kritik stößt, ist doch zumindest das Hotelpersonal zufrieden mit dem neuen Kollegen, der die Schicht von Mitternacht bis acht Uhr morgens übernimmt.

Was den Hoteliers in Amerika recht ist, ist ihren europäischen Kollegen nur billig: Die französische Hotelkette „Climat de France“ (in Deutschland vertreten durch Stb-Reisen, Roßmarkt 12, 6000 Frankfurt 1) hat in allen ihren Häusern elektronische Nachtportiers eingesetzt. Wer dort ohne Reservierung eintrifft, kann mit seiner Carte Bleue oder mit der Visa-Kreditkarte den Zimmerschlüssel aus dem Automaten ziehen. Gäste mit einer Vorbestellung, die nach 22 Uhr ankommen, erhalten, nachdem sie die auf der Reservierung vermerkte Codenummer eingegeben haben, ebenfalls den Schlüssel aus dem Automaten.

Hella Leißner