Das berühmteste Projekt, das auf den Reißbrettern der inzwischen zwölf Partner zählenden Schweizer Architektengruppe „Atelier 5“ gezeichnet wurde, ist die 1961 vollendete, inzwischen von der Vegetation freundlich in die Arme genommene Siedlung Halen bei Bern: eine streng geordnete, topographisch gestaffelte, Gassen und Plätze bildende Reihenhäuser-Gruppe. Diese Siedlung offenbarte zum einen das große Vorbild (und, wie der Holländer Herman Hertzberger fand, das verbesserte Idol) Le Corbusier, zum anderen war sie ein Beweis dafür, daß sich Beton „menschlich“ verarbeiten läßt. Atelier 5 ist sich in den nunmehr dreißig Jahren seines auch in der Bundesrepublik erfolgreichen Wirkens immer treu geblieben und hat sich, wo es notwendig war, intelligente Wandlungen erlaubt, Verfeinerungen – so wie sie sich an anderen Siedlungen wie der in Thalmatt ablesen lassen. Jüngstes Glanzstück dieses exemplarischen Architektenkollektivs ist das Kunstmuseum Bern, ein Erweiterungs- und Umbau, das Paradebeispiel für Sensibilität und Selbstbehauptung bei der Ergänzung eines alten Gebäudes mit einem Neubau, zugleich ein Beispiel für eine unprätentiöse, ruhige, funktionstüchtige Architektur allererster Güte. Zweierlei kann man bewundern: daß Atelier 5 als ein Kollektiv arbeitet und funktioniert (Projektbearbeitung in Gruppen, Beteiligung aller bis zum Bau, immer neu zusammengesetzte Projektgruppen); daß es sich nach wie vor Le Corbusier verpflichtet fühlt; und daß es ihm gelungen ist, den Meister „fortzusetzen“. Der niederländische Architekt Hertzberger sagte, nachdem er in Marseille die Unité d’Habitation besucht hatte: „In Halen jedoch habe ich gesehen, wie es Le Corbusier hätte machen sollen.“ Der Beweis liegt nun gedruckt vor. Manfred Sack

„Atelier 5“ 26 ausgewählte Bauten; Ammann Verlag, Zürich 1986; 260 S., Abb., 96,– DM