DIE ZEIT

Berufen?

Gegen die Bezeichnung als Berufsdemonstranten würden sie sich wehren, aber als berufen gaben sie sich aus – jene zwanzig Richter, die Anfang der Woche die Zufahrt zum Raketenstandort in Mutlangen blockierten und sich „zwecks erkennungsdienstlicher Behandlung“ von der Polizei festnehmen ließen.

Aus der Traum

Der Traum der chinesischen Studenten von Freiheit und Demokratie währte nicht lange. Die Partei hatte politische Reformen versprochen.

Spannend wird’s erst nach der Wahl

Ein merkwürdiges Zwielicht liegt über der politischen Landschaft der Republik. Einerseits scheint die Bundestagswahl längst gelaufen zu sein.

Kleiner Prinz

Natürlich blieb uns freischwebenden Royalisten der kleine Prinz Edward nicht verborgen, doch mit ihm konnten wir ans bisher weiß Gott nicht über das jubiläumslose Interregnum nach 100 Jahre toter Ludwig Zwo und 200 Jahre toter Friedrich Zwo hinwegtrösten.

Schwach aus Stärke

Viele reiben sich erschrocken die Augen. Da haben die Westdeutschen seit Konrad Adenauer nichts anderes im Sinn gehabt als die Aussöhnung mit ihren französischen Nachbarn; da quellen ihre Staatsmänner über von Bekenntnissen zur gemeinsamen Zukunft; da haben sie, zum höheren Ruhme des werdenden Europa, den Franzosen Mal um Mal wirtschaftliches Entgegenkommen bewiesen.

Zeitspiegel

Dem israelischen Einwanderungsministerium machen mehr und mehr die Auswanderer Sorgen – im Hebräischen „Absteiger“ genannt, im Gegensatz zu den „Aufsteigern“, den Einwanderern.

Worte der Woche

„Bei uns gibt es keinen Rechtsruck wie es bei der FDP einmal einen Linksruck und dann wieder einen Rechtsruck gibt und dann wieder einen Kreuzruck und dann wieder einen Querruck und zum Schluß dann wieder einen Auf-und-davon-Ruck.

Der alte Mann und die Macht

Die CSU ist eine fleißige Partei. Ihre Mandatsträger sind vergattert, sich auf allen Wegen und Stegen bemerkbar zu machen. Einen Wahlkampf als Formalie zu behandeln, war ihnen noch nie erlaubt.

Ben Witter: Angetippt

Die meisten Energien verbraucht der neue deutsche Spießer mit reden. Wenn er – das Beispiel heißt Heiko N. – seinem dreijährigen Sohn Sebastian immer wieder ausführlich erklärt, warum er endlich seine Finger von Ladentüren lassen soll und der Junge doch nicht hören will, droht er schließlich: „Gleich kriegst du was auf die Finger.

Die Grünen im Wahlkampf: Auf die Profis kommt es an

Der Raum im ersten Stock der Volkshochschule ist zu klein für die etwa 60 Zuhörer, die trotz Schnee und Eis – am Nachmittag ist in Bielefeld der Verkehr zusammengebrochen – nach Senne gekommen sind.

Wolfgang Ebert: An der Frustgrenze

Während schon der Wahlkampf die Wähler ziemlich kalt gelassen hat, führte der Wintereinbruch zu einer geradezu dramatischen Abkühlung des politischen Klimas in der Bundesrepublik.

Neue Abrüstungsrunde: Keiner will der erste sein

Nun verhandeln sie wieder in Genf. Seit dem 15. Januar reden Amerikaner und Sowjets miteinander in einer neuen Runde über Raketen – abwechselnd in der mit hohen Stahlzäunen umgebenen Sowjetmission an der Avenue de la Paix und in dem mit ebenso hohen Stahlzäunen bewehrten amerikanischen Diplomatensitz an der Route de Premgny.

Washington: Präsident Reagan in der Defensive

Wiederholt hat das Weiße Haus die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts gefordert, den der Geheimdienstausschuß des Senats angefertigt hat, weil daraus hervorgehen würde, Präsident Reagan habe von der Abzweigung von Geldern aus den Waffenlieferungen an den Iran zur Versorgung der Contras in Nicaragua nichts gewußt.

General mit politischem Gespür

Ferdinand von Senger und Etterlin, einer der international hoch angesehenen Generäle in jüngerer Zeit, ist kaum drei Jahre nach seinem Abschied aus dem Militärdienst am vergangenen Samstag an Herzversagen gestorben.

BONNER BÜHNE: Auf der Goldwaage

Helmut Kohl hält es wie alle Kanzler vor ihm: Kurz vor den Wahlen muß man sich vor der Bundespressekonferenz im Tulpenfeld zeigen, damit keiner vergißt, wer wirklich regiert.

Polens Parteichef beim polnischen Papst

Monika, die 23jährige Tochter des Generals Jaruzelski, trug den protokollarischen schwarzen Schleier über dem Blondhaar (und dachte wohl an die Solidarnosc-Träume ihrer Teenagerjahre), als sie am 13.

Schwierige Missionen

Betroffen von „Irrtum und Schuld“ – so der Titel seines Buches über die schwierige Entscheidung, 1944 in sowjetischer Gefangenschaft als Stabsoffizier die Front zu wechseln – war Jesco von Puttkamer in das „Nationalkomitee Freies Deutschland“ eingetreten.

Frankreich: Ende des Streiks

Die Mehrzahl der Eisenbahner hat nach vier Wochen Streik den Dienst wieder aufgenommen, ebenso die meisten Angestellten der Pariser Verkehrsbetriebe und des staatlichen Monopolriesen Electricite de France.

Immer fester druff?

Polizeiprotokoll aus Wackersdorf: „Die Verbrecher setzten gegen die Polizeibeamten Stahlkugeln, Stahlmuttern, Steine, pyrotechnische Gegenstände, Reizstoffwurfkörper/Raketen und Molotowcocktails ein.

„Schmeißt die Idioten doch gleich in die Elbe!“

Wenn ein Einsatz läuft und Polizisten unter sich sind, haben sie die Anweisungen der Lehrbücher oft vergessen. Der Abgeordnete der Hamburger Grün-Alternativen Liste, Michael Herrmann, konnte als Mitglied des Innenausschusses der Bürgerschaft nach der Einkesselung vom 8.

Tamilen: Bis auf weiteres geduldet

Im Brief des Heiligen Paulus an die Römer heißt es unmißverständlich: "Jedermann sei untertan der Obrigkeit... Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung.

Generalmusikdirektor: Taktik um den Taktstock

Der beste unter den billigsten: Bei der Ernennung des Generalmusikdirektors ist dies immer Lübecks Devise gewesen. Unter den sich bewerbenden Dirigenten waren das stets auch die jüngsten.

SAT 1: Fernsehkanal 25

Das private Fernsehen versucht, sich von den Fesseln des Kabels zu befreien. Gegenwärtig verzeichnen die Bundesländer einen Sturm auf die TV-Kanäle für drahtlose Verbreitung, für die – im Gegensatz zum Empfang der Programme des direktsendenden Satelliten-TV – keine aufwendigen Empfangsanlagen mit Parabolspiegel erforderlich sind.

Vorwürfe der Türken: Manche lernen Karate

Ramazan war erst der Anfang“, warnte vor einem Jahr eine Parole am Hamburger S-Bahnhof Landwehr. An dieser Stelle hatten fünf „Skinheads“ den Türken Ramazan Avci mit einem Axtstiel und Knüppeln so traktiert, daß er Weihnachten 1985 starb.

Die Entfesselung der Menschenrechte

In China demonstrieren Studenten für demokratische Mitbestimmung, in der Sowjetunion setzt sich der aus der Verbannung heimgekehrte Andrej Sacharow für inhaftierte Dissidenten ein, in Nicaragua und Afghanistan, in Südafrika und Äthiopien, in Chile und Polen – überall zeigt sich die Kraft der Menschenrechtsidee, bewegt sie Unterdrückte und Unterdrücker.

Die bedrückende Macht der Mark

Gerhard Stoltenberg unterbrach seine Wahlkampftour durch das verschneite Schleswig-Holstein, und Karl-Otto Pöhl mußte gar seinen Winterurlaub vorzeitig beenden.

Das Ende der Enthaltsamkeit?

Es geht uns gut, es wird uns noch besser gehen – und das verdanken wir nicht zuletzt der Bundesregierung. Wer mag es ihr übelnehmen, daß sie knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl im Jahreswirtschaftsbericht für 1987 eine positive Bilanz zieht und die Aussichten günstig darstellt.

Neue Heimat: Schlicht unergiebig

Der Skandal um den gewerkschaftseigenen Wohnungsbaukonzern Neue Heimat ist ein unerschöpfliches und seitenfüllendes Thema. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann lieferte ihn jetzt der Bonner Untersuchungsausschuß.

Beamtenversorgung: Zu generös

Bonner Tradition will es, daß der Bundesinnenminister stets zum Jahresanfang auf der Jahrestagung des Deutschen Beamtenbundes in Bad Kissingen seinen Gruß entbietet.

Bonner Kulisse

Auf der Stockholmer Eureka-Konferenz Mitte vergangenen Monats war Forschungsminister Heinz Riesenhuber noch skeptisch: „Bisher waren Banken nur bereit, einem Geld zu leihen, wenn man mit Sicherheit nachweisen konnte, daß man es nicht mehr brauchte.

Landwirtschaft: Der heimliche Sieger

Ignaz Kiechle kann kaum noch etwas erschüttern. Nur sein melancholisches Lächeln bekommt eine kleine Schlagseite, als er die Schmähparolen überfliegt, die ihm von "seinen" Bauern vor dem Bürgerhaus im hessischen Niddatal-Assenheim entgegengehalten werden: "Schluß mit dem Betrug an den deutschen Bauern!" "Die Industrie explodiert, der Landwirt wird ruiniert.

Fluch des Erfolgs

Bei uns ist der Notstand ausgebrochen“, urteilte Shoichiro Toyoda im Dezember über die Lage der japanischen Autoindustrie. Der Präsident des Autokonzerns Toyota Motor wußte auch gleich den Schuldigen an der Misere zu nennen: „Eine so steile Yen-Hausse hätte ich nie erwartet“, bekannte der Chef von Japans größtem Industrieunternehmen.

UdSSR: Razzia per Hubschrauber

Der junge Mann wurde vor einem Moskauer Café festgenommen, als er „Bjelomor“-Zigaretten an Jugendliche verkaufte. Das hatte die Miliz mißtrauisch gemacht, weil „Bjelomor“ keine Marke ist, die Jugendliche bevorzugen.

Sowjetunion: Die importierte Sicherheit

Was sich in der Bild-Version fast schon wie ein perfektes Geschäft ausnimmt, ist für die Siemens-Tochter Kraftwerk Union allenfalls ein Hoffnungsschimmer: Westliche Unternehmen sollen möglicherweise helfen, sowjetische Kernkraftwerke sicherer zu machen.

Großbritannien: Hochprozentige Geschäfte

Ernest Saunders holte weit aus, als er vor einem Jahr begründete, warum die von ihm geführte Brauerei Guinness sich anschickte, den sehr viel größeren Gin- und Whiskykonzern Distillers zu schlucken.

Österreich: In eigener Sache

Im österreichischen Gewerkschaftsbund, dem ÖGB, gibt es derzeit ein Gerangel hinter den Kulissen. Im kommenden Oktober soll auf dem großen ÖGB-Kongreß für den jetzt 74jährigen OGB-Präsidenten Anton dieses ein Nachfolger gekürt werden.

Einsichten und Einseitigkeiten

Herbert Giersch hat sein neues Buch „Gegen Europessimismus“ genannt. Von diesem Titel darf man sich nicht täuschen lassen. Auch in diesem Band wird der Autor seinem Ruf gerecht, ein sklerotisch gewordenes Europa zu mahnen.

Das 100 000-Mark-Spiel

Faites votre jeux, bitte das Spiel machen“, heißt es nun einmal im Monat in der ZEIT. Drei Aktienprofis von drei deutschen Banken werden ein Jahr lang versuchen, aus 100 000 Mark Anfangskapital möglichst viel Geld zu machen.

Zeit und Geld: WestLB senkt Hypothekenzins

Daß das abgelaufene Aktienjahr für viele Anleger enttäuschend verlief, ist eine Sache. Eine andere ist, wie gut oder schlecht es nun wirklich war, wenn die verschiedenen gebräuchlichen Aktienindices befragt werden, und da sind die Aussagen durchaus unterschiedlich.

MANAGER UND MÄRKTE

Friedrich Jahn Kann aufatmen. Gegen ihn ermittelte die Münchner Staatsanwaltschaft seit Herbst vergangenen Jahres in zwei Fällen.

Keine Gesundbeterei

Heereman: Bisher nicht. Die Länder, die abwerten und somit einen negativen Preisausgleich und neuen Spielraum für nationale Preiserhöhungen haben, können darüber erst im Frühjahr bei der nächsten Preisrunde verhandeln.

+ Weitere Artikel anzeigen