Ihr wißt doch wohl Bescheid, worum es geht, das muß auch in Euren kleinen Köpfen jetzt einfach klar sein, nachdem ganze Parteitage, Programme und Leitsätze sie agitiert haben und durch jeden schönen Werbespot glückliche Mütter mit reizenden Kindern schweben und schreiten, lächeln und lachen. Ihr entscheidet die Wahl. Jawohl! Ohne Frauen ist kein Staat zu machen, und Kinder – Euer Ressort – haben wieder Vorfahrt in Deutschland! Babyblau auf Schwarz-Rot-Gold sind die Farben der Zukunft.

Schwitzend und schwergewichtig dringen die Väter der Nation in Euer Herz und Eure Seele, beflügeln Eure Phantasie, appellieren gar an Euren politischen Verstand und bringen die Botschaft in der ihnen eigenen kraftvollen Sprache auf den Punkt: Dem Grunde nach stehen uns Schicksalswahlen bevor. Tut Eure Pflicht! Oder wollt Ihr den Niedergang Deutschlands an allen Fronten?

Nein! ruft Ihr und hört den Kernsatz deutscher Politik für ein Deutschland mit Zukunft: Die gesunde Familie ist die Voraussetzung für den gesunden Staat, die Frau und Mutter muß wieder Mittelpunkt deutscher Politik sein.

Das hat auch viel zu tun mit unseren geistigmoralischen Grundlagen, liebe Frauen, denn die freiheitliche Demokratie, für die wir alles riskieren, braucht – und hier kommt nun auch Vater ins Bild – Autorität. Nach den schlampigen siebziger Jahren sagen wir auch ja zu ihr, weil wir ja Ja sagen zur Familie als der Garantin für ordentliches Einleben in Staat und Gesellschaft.

Die Alten unter Euch werden nun fragen: Das kennen wir doch, wie war das noch gleich, Wilhelm zwo, der Führer?

Und Ihr Jungen? Ihr sagt: Die Frauenfrage drängt notwendiger denn je nach einer Lösung. Hier ist sie! Wahlfreiheit für alle, Partnerschaft statt Patriarchat, Abschied von der Männergesellschaft mit sechs Blauen für einen Urlaub neben der Wiege, 25 Mark Rente für jedes Kind. Eure Männer werden darauf fliegen.

Aber das ist nicht alles, was man Euch – schon vor der Wahl – geschenkt hat. Ihr habt eine Briefmarke bekommen mit Clara Schumann drauf ("eine große Künstlerin, die ihrem Mann, dem Komponisten Robert Schumann zuliebe in ihrer Kunst zurücksteckte..."), denn Frauen waren bisher auf unseren Briefmarken unterrepräsentiert. 19 weitere Frauen der deutschen Geschichte sollen folgen, eine wahre Dauerserie.