Friedrich Jahn Kann aufatmen. Gegen ihn ermittelte die Münchner Staatsanwaltschaft seit Herbst vergangenen Jahres in zwei Fällen. Nun ist er zumindest vom Verdacht der Untreue befreit worden. Dieser Verdacht war entstanden, weil Jahn den deutschen Wienerwald für 2,5 Millionen Mark zurückgekauft hatte. Das nötige Kleingeld besorgte sich der Hendl-König durch einen Griff in die Kasse der eben erworbenen Firma. Es ging an die Unternehmerin Renate Thyssen, die zuvor den ganzen Wienerwald-Komplex von den Gläubigerbanken gekauft, sich bald darauf aber auf den profitablen österreichischen Teil konzentriert hatte.

Die Staatsanwaltschaft argwöhnte zunächst, daß Gläubigerinteressen verletzt worden seien. Die Strafverfolger kamen aber zu dem Ergebnis, daß sich Jahn der Pflichtwidrigkeit seines Handelns nicht bewußt gewesen sei. Zudem brachte Jahn Schuldanerkenntnisse seiner beiden verheirateten Töchter bei, die überprüft und von den Anklagevertretern akzeptiert wurden, nachdem sie beide Töchter als Zeuginnen vernommen hatten. Auch zahlte Jahn schon im November die 2,5 Millionen Mark wieder in die Kasse seiner Firma ein.

Jetzt wird nur wegen des Verdachts der Konkursverschleppung gegen ihn ermittelt, doch handelt es sich dabei, wie die Staatsanwaltschaft einräumt, um „kein gravierendes Delikt“. Sie war in diesem Punkt tätig geworden, nachdem der frühere Geschäftsführer einer Wienerwald-Tochter im September vom Amtsgericht München wegen Konkursverschleppung und verspäteter Vorlage von Bilanzen als „Mittäter“ verurteilt worden war. In dem Verfahren war die Mitverantwortung Jahns als weiterer „Mittäter“ deutlich geworden. Bald wird sich zeigen, was nun noch davon hängenbleibt.

Die Möbelhändler geben sich mittlerweile vorsichtig optimistisch. Nach fünf mageren Jahren kann die gebeutelte Branche wieder auf steigende Umsatzzahlen verweisen; die Frage ist nur, wie lange noch. Denn die Händler müssen langfristig um ihre Pfründe bangen. Einzelhandelsriesen wie Metro, Massa und Schaper drängen nämlich über Firmeneinkäufe verstärkt auf den Markt.

Schaper verschluckte bereits die Mittelständler Südema, Famöla, Heiland und Unger. Kürzlich kam noch Möbel-Niemerski hinzu. In den Augen der Hamburger Beratungsfirma Wupper & Partner ist das erst der Anfang. Ihrer Meinung nach hat der Konzentrationsprozeß gerade erst begonnen. Schon bevor er auf volle Touren kommt, stehen die Verlierer des Verdrängungswettbewerbs fest. Es sind die kleinen mittelständischen Möbelhändler. Sie werden die Preiskämpfe nicht überstehen. Es sei denn, sie finden eine Marktni-

In der Villa Reitzenstein, dem Stuttgarter Dienstsitz des badenwürttembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth, findet sich immer noch ein Weg, einem angeschlagenen Unternehmer auf Kosten der Steuerzahler finanziell auf die Beine zu helfen. Die Manager der Trossinger Musikinstrumenten-Firma Matth. Hohner müssen wohl gewußt haben, was sie taten, als sie im vergangenen Jahr ihrem Landesvater eine Mundharmonika schenkten. Damals versteigerte Lothar Späth das Jubiläumsgeschenk zugunsten eines sozialen Zwecks für 5700 Mark. Jetzt will er sich für die noble Geste der Manager offensichtlich revanchieren: Zum Preise von zehn Millionen Mark kauft er für das Land das Hohner-Firmenmuseum, Aufbewahrungsort für historische Instrumente und Herstellungsmaschinen. Hohner-Chef Johann Schmid, seit August vergangenen Jahres auf seinem Posten, kann das Geld gut gebrauchen. Durch hohe Verluste, vor allem mit elektronischen Heimorgeln, geriet die Traditionsfirma in eine bedrohliche Schieflage. Unter Schmid und der als neuer Großaktionär eingetretenen Kunz-Gruppe aus Gschwend soll Hohner mit Hilfe einer drastischen Sanierungspolitik bald wieder auf Erfolgskurs zurückkehren.

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