Spaniens Autovermieter erinnern sich nur ungern an den EG-Beitritt ihres Landes zurück. Die damit verbundene Einführung der neuen Mehrwertsteuer bescherte ihnen zu Beginn des vergangenen Jahres als einziger Branche im touristischen Bereich den Höchststeuersatz von 33 Prozent. Die Autovermieter hatten diese Luxussteuer auf die Endverbraucherpreise aufgeschlagen. Deshalb verzichteten im Verlauf des vorigen Jahres zahlreiche Urlauber und Geschäftsreisende in Spanien auf die dort vorher beliebten, weil preisgünstigen Mietautos.

Kürzere Strecken ließen sich günstiger mit dem Taxi zurücklegen. Urlauber buchten mehr organisierte Ausflüge oder verzichteten ganz auf einen Trip von der Küste ins Landesinnere. Das spürten wiederum die abseits gelegenen gastronomischen Betriebe und Geschäfte.

Große Mietwagenunternehmen, wie etwa die Firma Hasso auf Mallorca, verzeichneten Umsatzrückgänge von rund 20 Prozent. Zahlreiche kleinere spanische Autovermieter mußten ihr Geschäft schließen oder vermieteten ihre Wagen ohne Meldung an das Finanzamt.

Die spanische Regierung hat nun angekündigt, den Mehrwertsteuersatz für die Autovermieter zu Beginn des neuen Jahres auf die in anderen touristischen Bereichen üblichen zwölf Prozent zu senken. Experten gehen davon aus, daß die entsprechende Gesetzesänderung noch vor Beginn der Urlaubssaison in Kraft treten wird.

Gleichzeitig stellte die spanische Regierung in Aussicht, die mit dem EG-Beitritt verbundene Einführung der IFA-(Mehrwert-)Steuer neu zu überdenken und gegebenenfalls auch zu reformieren. Dadurch sollen vor allem kleinere und mittlere Betriebe steuerlich entlastet werden.

Inwieweit davon noch andere touristische Bereiche begünstigt sein werden, bleibt vorerst unklar. Generell scheint allerdings das spanische Fremdenverkehrsgewerbe, abgesehen von den Autovermietern, mit der gegenwärtigen Steuergestzgebung nicht unzufrieden zu sein. Willi Bermkes