„Lautlos im Schatten verharrend“

„Sie war in der dritten Mädchenschule, verstand noch nichts vom Krieg“; nun „deckt die Mutter auf die Überreste der toten Tochter einen weißen Kimono“ – das Mädchen hieß Sachiko. Von ihr berichtet der Gedicht-Zyklus „Wenn ich an Hiroshima denke...“, und der die Musik dazu komponierte, weiß, wovon er singen läßt: Udo Zimmermann stammt aus Dresden, erlebte dort das Inferno mit – sein Liederzyklus ist für die in Ost-Berlin lebende Chihoko Nakata geschrieben, die wiederum Hiroshimas Ende sah. In die Kette paßt das achte Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch, das 1960 „in memoriam der Opfer von Krieg und Faschismus“ entstand; paßt eine Aquatinta-Radierung von Gotthard Graubner, der in Dresden studierte. Vereint ist all dies in einer Kassette, die nicht einem der großen Plattenproduzenten, sondern einem (japanisch/deutschen) Gerätehersteller einfiel – ein Dokument eines Friedenswillens, der seine Trauerarbeit formuliert in den leisen Kontrapunkten eines Duetts von Sopran und Flöte oder Klavier, der seinen Widerwillen hinausschreit in den Dissonanzen eines Streichquartetts, der seine Hoffnung anklingen läßt in der Paraphrase über den langsamen Satz aus Bachs d-moll-Konzert (Cyprien Katsaris). Nach der früheren Edition („Black Light“ mit der Schlagzeugerin Robyn Schulkowsky und dem Nagelkünstler Günther Uecker) hat Sony mit dieser Mappe erneut gezeigt, daß und wie die Förderung von bildender Kunst (Beispiel documenta, Hochschulen) und Musik (Beispiel: Ausbildungsinstitute) sich mit tuffem Business-Denken durchaus vereinbaren läßt – wenn ein phantasievoller Kopf seine Initiativen durchzusetzen vermag. (Vertrieb: Sony Deutschland, Hugo-Eckener-Straße 20, 5000 Köln 30) Heinz Josef Herbort