Der Skandal um den gewerkschaftseigenen Wohnungsbaukonzern Neue Heimat ist ein unerschöpfliches und seitenfüllendes Thema. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann lieferte ihn jetzt der Bonner Untersuchungsausschuß. Nachdem bereits Hamburger Parlamentarier die zum Teil haarsträubenden Geschäftspraktiken des Unternehmens und seiner Geschäftsführer auf fast tausend Seiten fein säuberlich dokumentiert hatten, lieferten die Bonner Kollegen jetzt noch ein paar hundert dazu: ein Bericht der Ausschußmehrheit von Union und FDP sowie Sondervoten von SPD und Grünen – viel Masse, wenig Klasse.

Neu ist das nämlich alles nicht und gemessen am offiziellen Auftrag – Verstöße gegen das Gemeinnützigkeitsgesetz festzustellen und Vorschläge für Gesetzesänderungen zu machen – auch völlig unergiebig. Dem Hamburger Untersuchungsbericht war auch kaum noch etwas hinzuzufügen, und wie das Gesetz zu ändern ist, das hat eine Kommission dem Finanzminister bereits aufgeschrieben. Die Bonner Skandalchronik erschöpft sich in Wiederholungen.

Nichts anderes war allerdings von der Regierungskoalition auch vorgesehen. Von Anfang an inszenierten vor allem die Abgeordneten der Union das Stück Neue Heimat nach der Regieanweisung, die ihr Fraktionsvorsitzender Alfred Dregder schon im Frühjahr hatte schreiben lassen. Wer konnte da schon ahnen, daß dies alles unnötig war, weil die Gewerkschaften selber das Publikum mit der fast unglaublichen Posse um den Berliner „Bäcker“ Horst Schiesser in Atem hielten.

Nun ist der Fall Neue Heimat so uninteressant geworden wie der Bundestagswahlkampf. Das ist auch gut so. Arbeit bleibt noch für die Staatsanwälte und den Sanierer, der den Konzern auflösen muß. Der letzte Akt kann beginnen. hp