Betroffen von „Irrtum und Schuld“ – so der Titel seines Buches über die schwierige Entscheidung, 1944 in sowjetischer Gefangenschaft als Stabsoffizier die Front zu wechseln – war Jesco von Puttkamer in das „Nationalkomitee Freies Deutschland“ eingetreten. Irrtum und Schuld hatten den ehedem konservativen Preußen aus Pommern, Sohn einer namhaften Familie von hohen Militärs und Staatsbeamten, danach nicht mehr plagen müssen: Der „Aussteiger“ aus alter Familientradition wurde erst Journalist – davon über zehn Jahre als Chefredakteur des Vorwärts –, dann mit Willy Brandts freundschaftlicher Hilfe Diplomat.

Es waren schwierige Missionen gewesen: erst in Israel (zur Zeit des Massakers während der Münchner Olympischen Spiele, dann beim Jom-Kippur-Krieg, als Bonn amerikanische Waffentransporte durch deutsches Gebiet verweigerte), später in Jugoslawien (als Belgrad drei RAF-Terroristen laufen ließ).

„Jesco“ verschaffte sich dennoch Reputation und Renommee, auch ohne im Scheinwerferlicht zu stehen. Er war, ohne das Geschäft je gelernt zu haben, stets ein stiller Diplomat – geradezu zum Dienen geboren, weniger erzogen: vornehm, bescheiden, ausgleichend. Zuletzt in Schweden machte sich der Botschafter Freunde wie anfangs in Israel. Als Sozialdemokrat blieb der Adlige ein Preuße, vom Scheitel bis zur Sohle, wahrscheinlich auch im Herzen.

Im Alter von 67 Jahren ist Jesco von Puttkamer letzte Woche in Oberaudorf, seinem Alterssitz, gestorben. D. St.