Umsturzsicher auf Rollen

Techniker und Ingenieure sehen das Leben von der praktischen Seite. Nicht Fraktionen, Ausschüsse und Hinterbänkler sind für die VDI-Nachrichten die Bonner Themen, sondern das „Sitzen der Abgeordneten auf Dienststühlen“:

„Rein sitztechnisch gibt es keinen Unterschied zwischen dem Abgeordneten einer Regierungsfraktion und seinem Kollegen von der Opposition. Alle 520 Abgeordnete des Deutschen Bundestages werden ausstattungsmäßig gleichbehandelt. Alles geht korrekt nach ergonomischen, funktionellen Gesichtspunkten zu, wie man in den haushaltstechnischen Richtlinien des Bundes nachlesen kann. freilich macht es bei Beamten und Angestellten einen Unterschied, ob jemand Sachbearbeiter oder Referatsleiter Ist. Denn der Referatsleiter hat Anspruch auf eine Sitzgruppe, weil er sich mit Sachbearbeitern und Besuchern besprechen können muß. Jedoch sitzen alle auf den gleichen Dienststühlen, die nach ergonomischen Erkenntnissen gestaltet sind. Der Dienststuhl läuft umsturzsicher auf Rollen, verfügt ab einer gewissen Position seines Inhabers über Armlehnen und nimmt zuweilen sesselartigen Charakter an.

Nun gilt nach interfraktioneller Absprache, was auch zur Regel für die Bundestagsverwaltung gehört: Prinzipiell werden Büroräume nicht neu möbliert, wenn jemand umzieht oder ein neuer Benutzer kommt. Wohl kann ein Abgeordneter seinen eigenen Schreibtisch mitbringen, auf die Einheits- Auslegeware den Teppich eigener Wahl ausbreiten etwa ein Aquarium aufstellen oder eigenen Wandschmuck anbringen. Bürotechnisch wirtschaftet der Bundestag durchaus sparsam. Da gilt die Faustregel, daß ein Schreibtisch nach etwa 20 Dienstjahren aus dem Verkehr gezogen werden soll. Ist er aber gut erhalten, wird er in der Bundestagstischlerei generalüberholt und weiterer Verwendung zugeführt, freilich nicht so, daß der alte Ministerialdirektor-Schreibtisch einem Hilfsreferenten, der viel mit Besuchern zu tun hat, zugeteilt würde.