Israels „Absteiger“

Dem israelischen Einwanderungsministerium machen mehr und mehr die Auswanderer Sorgen – im Hebräischen „Absteiger“ genannt, im Gegensatz zu den „Aufsteigern“, den Einwanderern. Jedes Jahr verlassen Tausende Israel, aus Angst vor dem nächsten Krieg oder aus wirtschaftlichen Gründen. Die meisten siedeln sich in den Vereinigten Staaten an. In letzter Zeit überstieg die Zahl der israelischen Emigranten die der Immigranten. Verteidigungsminister Jitzhak Rabin hatte die Auswanderer kürzlich als „Ratten“ bezeichnet. Um das Bild aufzuhellen, gab das Jerusalemer Ministerium jetzt eine Umfrage in Auftrag. Danach behaupten neunzig Prozent der Israelis, sie würden niemals ihr Land verlassen. Ein dunkler Fleck indessen blieb: Unter den 18- bis 29jährigen denken immerhin 19 Prozent nach eigener Aussage daran, eines Tages ihr Heil woanders zu suchen.

Der brave Soldat Bonga

Als der Ex-Guerillero William Jimu Bonga im unzugänglichen Osten Zimbabwes von Bauern gefunden wurde, war der Krieg gegen die Weißen schon lange vorbei. Verblüfft erfuhr „Genosse Desaster“ (so der nom de guerre des verschollenen Freiheitskämpfers), daß sein früherer Guerillachef Robert Mugabe inzwischen seit fast sieben Jahren als Premierminister der Republik Zimbabwe regiert. 1977 hatte Bonga die Grenze nach Mocambique überschritten und sich der Guerilla-Armee Zanla unter Mugabe angeschlossen. Bei der Rückkehr ins damalige Rhodesien verlor er in einem Sturm den Anschluß an seine Einheit. Acht Jahre lange verbarg er sich in einer Höhle vor den Regierungstruppen des Ian Smith. Lancaster-House-Konferenz, Waffenstillstand, Unabhängigkeit, zwei Parlamentswahlen – von all dem erfuhr Bonga nichts. „Ich dachte, der Krieg sei noch im Gange“ – so deutete er die regelmäßigen Schießübungen in einem nahegelegenen Militärlager. Der Lohn des braven Soldaten für die acht entbehrungsreichen Jahre: rund 5000 Mark zur Entlassung aus der Armee.

Gefoltert wird immer noch

Bokassa, der blutrünstige Tyrann, steht vor Gericht in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. Zu einem Hort der Menschenrechte freilich ist der Staat am Äquator, einstmals Bokassas Kaiserreich, freilich noch lange nicht geworden. Auch unter den neuen, gesitteteren Herren sterben Gefangene ohne jede medizinische Betreuung, vegetieren Kriminelle und politisch Mißliebige in winzigen, überbelegten Gefängniszellen und müssen stets damit rechnen, von sadistischen Wächtern mit Peitschenhieben traktiert zu werden. Ein Häftling des Gefängnisses von Ngaragba berichtete das ausländischen Reportern, die wegen des Prozesses gegen den mutmaßlichen Menschenfresser Bokassa nach Bangui gekommen waren. Wie er selbst erzählte, hatte der Häftling seinen Freigang mit Bestechungsgeldern erkauft – vielleicht ein Indiz dafür, daß Schlendrian und Willkür die Grausamkeit in dem tropischen Gefängnis heute ein wenig mildern?