Jahr für Jahr mußten die Kunden des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks (RWE) tiefer in die Tasche greifen. Unter Hinweis auf höhere Kosten – verursacht vor allem durch Umweltschutzaufwendungen für Kohlekraftwerke – erhöhte Deutschlands größter Stromversorger ständig die Tarife. Ganz im Gegensatz zu den Elektrizitätsunternehmen im Norden und Süden der Republik, die sich in weit stärkerem Maße der Kernkraft verschrieben haben und Treisstabilität wahrten.

Die Vorteile, die Haushalte und Industriebetriebe in Nordrhein-Westfalen einst aus den niedrigen Strompreisen der RWE zogen, schmolzen dahin, und der Wirtschaftsminister des Landes Reimut Jochimsen hatte von Jahr zu Jahr mehr Bauchschmerzen, wenn er die höheren Tarife genehmigen mußte.

Aber nun hat alle Not ein Ende. Wiewohl Jochimsen die Preiserhöhung des vergangenen Jahres nur zum Teil genehmigt hatte, verzichtet das RWE für 1987 freiwillig auf höhere Tarife. Begründet wird das vor allem mit höheren Zuwendungen für den Einsatz von Steinkohle in Kraftwerken. Zur Wahrheit gehört aber auch, daß das RWE in der Vergangenheit einen Teil der künftigen Kosten schon vorweggenommen hat. Und daß das RWE rüsten will für 1995; denn dann fallen in der Bundesrepublik die Demarkationslinien zwischen den großen Stromversorgern. Der Wettbewerb läßt grüßen. hgk