Der FDP-Vorsitzende und Bonner Wirtschaftsminister Martin Bangemann scheint sich nicht einmal mehr der eigenen Mannschaft sicher zu sein. Jedenfalls erhielt der FDP-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Weng, der auch jetzt wieder für seine Partei kandidiert, einen Wahlbrief seines Parteivorsitzenden, in dem Bangemann ihm folgendes schreibt:

„Sie üben einen freien Beruf aus (Weng ist Apotheker, die Red.). Sie stehen für persönliche Leistung und Kreativität. Für unternehmerischen Mut, Risikobereitschaft und Verantwortungsbewußtsein. Für Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Leistung. Dafür stehen auch die Freien Demokraten... Deshalb: Stimmen Sie am 25. Januar 1987 für „Zukunft durch Leistung*. Wählen Sie die FDP, die Liberalen.“

MdB Weng nahm es nicht krumm, sondern ulkte an Bangemann zurück: „Für Ihr Schreiben vom 8. Dezember 1986 bedanke ich mich vielmals. Ihr Brief hat mich erneut überzeugt (Sie wissen ja, daß ich es längst bin). Selbstverständlich werde ich mich am 25. Januar für „Zukunft durch Leistung‘ entscheiden. Zwar werde ich geheim wählen, aber die FDP hat hervorragende Chancen, meine Stimme zu erhalten.“

Im Bonner Forschungsministerium wissen weder der amtierende Staatssekretär Hans-Holger Haunschild noch sonstige gewöhnlich gut informierte Ministeriumskreise etwas über einen neuen Staatssekretär, der den seit vierzehn Jahren unterschiedlichsten Ministern dienenden Haunschild – übrigens einer der ganz wenigen parteilosen Bonner Spitzenbeamten – ablösen soll.

Dennoch ist verbürgt, daß der CDU-Bundestagsabgeordnete Josef Bugl, Vorsitzender der Enquete-Kommission Technologie – Folgen – Abschätzung beamteter Staatssekretär bei Minister Heinz Riesenhuber werden soll, sofern Bugl bei seiner erneuten Kandidatur für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis Mannheim I ebenso scheitern sollte wie auf seinem sehr unsicheren 18. Listenplatz. Dabei handele es sich sogar um eine Zusage von Bundeskanzler Helmut Kohl, die Bugl über einen engen Kanzlervertrauten übermittelt wurde.

Bugl ist Physikchemiker und seit 1970 Prokurist bei BBC in Mannheim. Mit der Verwaltung einer großen Ministerialbehörde hatte Bugl allerdings noch nie etwas zu tun. Auf dem Stuhl von Haunschild wird er es daher besonders schwer haben.

Es könnte ein ganz interessanter Prozeß werden, den die Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU gegen die Grünen-Abgeordneten Claudia Roth und Franz Stänner wegen einer Pressemitteilung der Grünen beim Bonner Landgericht angestrengt hat.