... und kämpfen doch unablässig um das ideale Gewicht

Von Esther Knorr-Anders

Laßt wohlbeleibte Männer um mich sein, mit glatten Köpfen und die nachts gut schlafen.“ Dieser von Shakespeare dem ruhmreichen Cäsar in den Mund gelegte Stoßseufzer blieb bis in die heutige Zeit das seltsamste und zugleich liebevollste Kompliment für die Dickleibigen. Darüber hinaus suggeriert es ebenso eindringlich wie unterschwellig: Dicke sind bessere Menschen als Dünne.

Keine soziale Gruppe verfügt auch nur annähernd über ein so hervorragendes Image wie die Dicken. 1971 ging Michaela Tovatt in ihrer Dissertation „Fettsucht in sozialmedizinischer Sicht“ auf Untersuchungen des Instituts für Sozialpsychologie der Universität Ulm und der Landesversicherungsanstalt Württemberg ein. Diese Untersuchungen waren es, die kompromißlos Herzergreifendes für die Dicken und Schauriges für die Dünnen zutage förderten.

In weiten Bevölkerungskreisen gilt der beleibte Mensch als ruhig und ausgeglichen. Er wird als gemütlich empfunden, wirkt lustig und hat Humor. Gutmütigkeit und Gebefreudigkeit werden ihm zugesprochen. Sein äußeres Erscheinungsbild strotzt vor Kraft und Robustheit. Dagegen wurde von den Dünnen behauptet, daß sie ausgesprochen nervös und erregbar seien. Mißlaunigkeit und Unzufriedenheit würden sie ausstrahlen. Jeder Funke Humor sei ihnen abzusprechen. Allesamt seien sie Geizhälse. Eine solch haarsträubende Charakter-Analyse ist wahrlich für die Dünnen nicht leicht zu verwinden.

Fraglos gibt es Dicke, die ihr neiderregendes Image nicht nur bestätigen, sondern ihm Glanzlichter hinzuzufügen vermögen. Zuckeln die einen im Segen ihrer Fettleibigkeit als tolpatschige, die Umwelt fröhlich stimmende Kolosse dahin, tapsen andere witzig-drollig gleich Panda-Bären durchs Dasein. Es kann nicht bloßer Zufall sein, daß Kinder mit Dicken gern lachen, daß sie sich in deren Nähe geborgen fühlen.

In der Bahn zwei Plätze