Auf Reisen kann man was lernen. Am Flughafen, zwischen zwei Flügen, blättert man in den Auslagen der Zeitschriftenkioske und erfährt allerhand Neues. Vor einigen Tagen entdeckte ich, daß es eine Reihe von Zeitschriften ganz speziell für Schatzsucher gibt. Ich kaufte mir eine Nummer der in Paris erscheinenden Zeitschrift Tresors de l’Historie. Sie enthält Artikel über die mögliche Existenz reicher Schätze in verschiedenen Gegenden Frankreichs, mit präzisen geo- und topographischen Angaben und Berichten über Schätze, die man bereits an jenen Orten gefunden hat.

So erfuhr ich zum Beispiel, daß es Schätze auf dem Grunde der Seine zu finden gibt, von antiken Münzen bis zu Gegenständen, die im Laufe der Jahrhunderte in den Fluß geworfen worden sind, Schwerter, Gefäße, kompromittierende Diebesbeute, auch Kunstwerke; Schätze in der Bretagne, vergraben von der apokalyptischen Sekte des Wanderpriesters Eon de l’Estoile im Mittelalter; Schätze im Zauberwald von Brocelandie, die aus den Zeiten Merlins und der Gralsritter stammen (mit detaillierten Angaben zur Identifikation des Heiligen Grals höchstpersönlich, wenn man Glück hat); Schätze in der Normandie, vergraben von den Vendeens während der Französischen Revolution; Schätze von Leuten wie Olivier le Diable, dem Babier König Ludwigs XI.; Schätze, von denen scheinbar nur zum Scherz in den Romanen Arsène Lupins die Rede ist, die aber wirklich existieren. Ferner gibt es einen „Guide de la France tresoraire“, den der Artikel nur beschreibt, denn das komplette Werk, für 26 Francs zu erwerben, enthält 74 Karten im Maßstab 1:100, und jeder kann sich diejenige seiner Gegend aussuchen.

Der Leser wird sich fragen, wie man es anstellt, nach einem Schatz zu suchen, der unter der Erde oder im Wasser liegt. Keine Angst, die Zeitschrift bietet Artikel und Anzeigen über eine Reihe von unverzichtbaren Apparaten für Schatzsucher. Es gibt Detektoren verschiedener Art, spezialisiert auf Gold, Metalle und andere kostbare Materialien. Für die Unterwassersuche gibt es Taucheranzüge, Atemgeräte, Flossen, Instrumente mit speziellen Sensoren für Edelsteine. Einige dieser Instrumente kosten ein paar hundert Mark, andere gehen bis in die Tausende. Es werden sogar Kreditkarten offeriert, mit denen man nach einem Kauf für insgesamt dreitausend Mark bei weiteren Käufen einen Rabatt von hundertfünfzig Mark erhält (die Gründe für diesen Rabatt sind nicht ganz klar, denn an diesem Punkt müßte der Käufer schon mindestens eine Truhe voll spanischer Dublonen gefunden haben).

Für 1200 Mark kann man zum Beispiel einen M-Scan erwerben, der zwar unhandlich ist, aber gestattet, Kupfermünzen in zweiundzwanzig Zentimeter Tiefe zu identifizieren, eine Kasse in zwei Metern Tiefe und eine optimale Masse Metall in einem Versteck bis zu drei Metern unter dem Boden. Andere Instruktionen präzisieren, wie man die verschiedenen Detektoren richtig hält, und weisen darauf hin, daß die feuchte Jahreszeit günstig für die Suche nach großen Massen ist und die trockene für die Suche nach kleinen Objekten. Der Beachcomber 60 eignet sich speziell für die Suche an Stränden und in hochgradig mineralhaltigen Böden (man begreift: Wenn eine Kupfermünze neben einem Diamantenlager vergraben ist, kann das Gerät aus dem Takt geraten und sie ignorieren).

Andererseits verkündet eine Annonce, daß 90 Prozent des in der Welt vorhandenen Goldes noch zu entdecken sind und daß der Detektor Goldspear, der kinderleicht zu handhaben ist (er kostet knapp zweieinhalbtausend Mark), eigens entwickelt wurde, um Goldadern zu entdecken. Preiswert ist auch ein Taschendetektor (Metal Locator) für die Schatzsuche in Kaminen und antiken Möbeln. Für weniger als fünfzig Mark gibt es einen Spray (Af2), mit dem man die gefundenen Münzen reinigen und entrosten kann. Für Ärmere schließlich zahlreiche Wünschelruten oder „radiästetische Pendel“. Wer mehr darüber erfahren will, findet eine Reihe von Büchern mit verlockenden Titeln wie: „Geheimnisvolle Geschichte der französischen Schätze“, „Führer zu den vergrabenen Schätzen“, „Führer zu den verlorenen Schätzen“, „Frankreich, gelobtes Land“, „Frankreichs Untergründe“ etc. Man fragt sich vielleicht, wie es kommt, wenn all diese schönen Hilfsmittel zur Verfügung stehen, daß die Redakteure der Zeitschrift ihre besten Tage damit verbringen, sie zu machen, statt aufzubrechen in die bretonischen Wälder. Ganz einfach: Die Zeitschrift, die Bücher, die Detektoren, Flossen, Sprays und all das übrige werden von derselben Firma verkauft, die eine ausgedehnte Ladenkette besitzt. Das Geheimnis ist gelüftet, sie haben den Schatz schon gefunden.

Bleibt zu erklären, wer die Leute sind, die ihre Produkte kaufen, aber es sind wohl die gleichen, die in Italien keine Gelegenheit auslassen, bei den beliebten Versteigerungen im Fernsehen etwas, zu ergattern. Die Franzosen ergattern wenigstens ein paar gesunde Waldspaziergänge.

Aus dem Italienischen übersetzt von Burkhart Kroeber, Copyright: L’Espresso.